Z Geburtshilfe Neonatol 2011; 215(05): 194-198
DOI: 10.1055/s-0031-1287861
Originalarbeit
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Reduktion der operativen Entbindungsrate durch den Einsatz von Mikroblutuntersuchungen bei auffälligem CTG unter Berücksichtigung des Gestationsalters

Foetal Scalp Blood Sampling: Impact on the Incidence of Caesarean Section and Assisted Vaginal Deliveries for Non-Reassuring Foetal Heart Rate and its Use According to Gestational Age
P. Reif
1  Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Medizinische Universität Graz, Österreich
,
J. Haas
1  Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Medizinische Universität Graz, Österreich
,
W. Schöll
1  Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Medizinische Universität Graz, Österreich
,
U. Lang
1  Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Medizinische Universität Graz, Österreich
› Author Affiliations
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Publication History

eingereicht 29 March 2011

angenommen nach Überarbeitung 10 June 2011

Publication Date:
25 October 2011 (online)

Zusammenfassung

Fragestellung:

Das Erkennen eines suspekten oder pathologischen CTGs lässt keine sichere Aussage über das tatsächliche Vorliegen eines „fetal distress“, bzw. das Ausmaß der fetalen Blutgas-u. pHWert-Veränderungen zu. Ohne den Einsatz der Mikroblutuntersuchung muss das Auftreten von suspekten oder pathologischen CTG-Veränderungen häufig eine raschest mögliche Geburtsbeendigung mittels vaginal-operativer Maßnahme oder Kaiserschnitt nach sich ziehen. Diese Studie soll prüfen, wie viele Kaiserschnitte und vaginal-operative Entbindungen durch den Einsatz von Mikroblutuntersuchungen (MBU) bei suspekten oder pathologischen Geburts-CTGs in der klinischen Realität verhindert werden können.

Material und Methodik:

Retrospektive Analyse des Geburtsmodus mittels deskriptiver Statistik an 669 Patientinnen im Zeitraum 2008–2009, bei denen bei suspektem oder pathologischem CTG eine Mikroblutuntersuchung durchgeführt wurde. Außerdem sollte untersucht werden, ob eine Abhängigkeit der MBU-Verteilung vom Gestationsalter besteht.

Ergebnisse:

Durch den Einsatz der Mikroblutuntersuchung konnte bei 6,4% der im Studienkollektiv eingeschlossene Patientinnen mit suspektem oder pathologischem CTG, durch einen oder mehrere MBU-Werte im Normbereich, eine operative Entbindung umgangen und eine Spontangeburt ermöglicht werden. Weiters zeigt sich eine Häufung der Mikroblutuntersuchungen bei Gestationsaltern jenseits des Geburtstermins.

Schlussfolgerung:

Die fetale Mikroblutuntersuchung stellt ein effektives Hilfsmittel im geburtshilflichen Management dar und kann zur Reduktion der operativen Entbindungsrate beitragen. Das Risiko der Invasivität des Eingriffs kann im Vergleich zur Reduktion der operativen Entbindungsrate als gering angesehen werden. Die Bereitschaft zur Durchführung von Mikroblutuntersuchungen steigt mit Fortschreiten des Gestationsalters offensichtlich stetig an.

Abstract

Background:

Interpretation of a suspicious, non-reassuring or pathological foetal heart rate tracing does not provide any direct information about foetal oxygen saturation, blood gas status or the extent of changes in pH. Without foetal scalp blood sampling, such tracings often necessitate rapid intervention to deliver the baby by Caesarean section or assisted vaginal delivery. The aim of this study was to show the impact of foetal blood sampling on reducing the number of Caesarean sections and assisted vaginal deliveries in a clinical setting in such cases.

Materials and Methods:

A retrospective study of the mode of delivery in 669 women where foetal scalp blood sampling had been performed for suspicious or pathological foetal heart rate monitoring, in the period 2008–2009 was undertaken. The gestational age of the foetus was also investigated.

Results:

Because one or more results of foetal scalp pH were within the normal range an operative delivery could be avoided in 6.4% of the study population, in spite of the non-reassuring foetal heart rate monitoring. Foetal blood sampling was performed more frequently in post-term pregnancies.

Conclusions:

Foetal blood analysis still is an effective tool to reduce unnecessary operative deliveries and should be regularly included in intrapartum monitoring. The risk of foetal complications is low compared with the reduction in the rate of Caesarean sections and assisted vaginal deliveries. Obstetricians are evidently becoming more willing to carry out foetal scalp blood sampling with rising gestational age.