Geburtshilfe Frauenheilkd 2011; 71 - V_16
DOI: 10.1055/s-0031-1286507

Intrapartales Management von Patientinnen mit vorzeitigem Blasensprung: maternales und fetales Outcome

M Kunze 1, J Hart 2, A Lynch 2, RS Gibbs 2
  • 1Universitäts-Frauenklinik Freiburg
  • 2Department of Obstetrics and Gynecology, University of Colorado Denver School of Medicine, Denver, USA

Fragestellung:

Der vorzeitige Blasensprung (VBS) ist eine häufige Komplikation in der Schwangerschaft.

  • Bestimmung von Charakteristika bei Frauen mit VBS, die eine Sectio caesarea nach spontanem Wehenbeginn oder nach Einleitung erlebten.

  • Ist es möglich, klinisch eine Subgruppe von Frauen zu determinieren, die eine so hohe Rate an Kaiserschnitten zeigt, dass der spontane Wehenbeginn bzw. die Einleitung nach VBS zu vermeiden ist?

  • Evaluation des neonatales Outcomes, stratifiziert nach dem Geburtsmodus.

Methode:

Wir führten eine retrospektive Studie an Frauen mit VBS >24 SSW mit vitaler Einlingsgravidität durch. Alle Patientinnen wurden in standardisierten Weise von 10/2005 bis 01/2010 behandelt. Primäres maternales Outcome war der Geburtsmodus; primäres neonatales Outcome waren Mortalität und Aufnahme auf die Neugeborenen- Intensivstation. Die Datenauswertung erfolgte mittels SAS 9.2.

Ergebnisse:

1026 Frauen erfüllten die Einschlusskriterien. Davon hatten 137 (13,4%) Kontraindikationen für Wehen oder Spontangeburt. Von 355 eingeleiteten Frauen wurden 82% und von 534 Frauen mit spontanem Wehenbeginn 87% spontan entbunden (p=0,003). Wir konnten signifikante Risikofaktoren für eine Sectio caesarea definieren (BMI, Latenzzeit zwischen VBS und Geburt, Erstgebärende, Chorioamnionitis, vorzeitige Plazentalösung), jedoch keiner dieser Faktoren war hoch prädiktiv. Die Sectiorate in der Einleitungsgruppe war höher als bei den Frauen mit spontanem Wehenbeginn (18% vs. 13%; p=0,03). Keine Subgruppe hatte eine Sectiorate über 27% und in den meisten Subgruppen war sie deutlich niedriger, sogar unter Einbeziehung mehrer Risikofaktoren wie Schwangerschaftsalter <34 SSW, Chorioamnionitis, vorzeitige Plazentalösung und Erstgebärende. Das neonatale Outcome zwischen den Entbindungsgruppen zeigte signifikante Unterschiede bezüglich RDS und 5-Minuten-Apgar, jedoch keine Unterschiede bezüglich Mortalität, Sepsis und Aufnahme auf die Intensivstation.

Schlussfolgerung:

Wenn keine Kontraindikation gegen eine Spontangeburt vorliegt, kann die Patientin bezüglich einer hohen Rate an Spontangeburten nach VBS ohne erhöhte neonatale Morbidität beraten werden. Desweiteren kann der spontane Wehenbeginn abgewartet werden bzw. bei Indikation die Einleitung durchgeführt werden, beides mit hoher Erfolgsaussicht bezüglich einer Spontangeburt.