Klinische Neurophysiologie 2011; 42(03): 200-203
DOI: 10.1055/s-0031-1286265
Biostatistik leicht gemacht
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Interpretation von Schlaganfallakutstudien

Verwendete Endpunkte und Analyseverfahren
H. Wersching
1  Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin, Universität Münster
,
J. Minnerup
2  Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum Münster
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Publication History

Publication Date:
14 September 2011 (online)

Editorial: „Skalen und Endpunkte – wie nervig“

Wenn sich die internationale Wissenschaftsgemeinschaft („Scientific Community“) auf gemeinsame Standards einigt, dann ist das mindestens so bedeutsam, wie ein EU-Rettungsschirm, geschieht aber meistens in aller Bescheidenheit und unspektakulär. Skalen (scales) sind Messinstrumente, wie eine Waage oder ein Zollstock, die eigene Schwächen und Grenzen haben. Die Maßeinheiten sind dann nicht Kilogramm oder Zentimeter, sondern bestimmte Skalenwerte (scores), deren Anwendung notwendig ist, um die therapeutische Wirkung einer Therapie messen und beurteilen zu können. Wenn der Handwerker bei Ihnen mit einem gekrümmten Zollstock das Aufmaß nimmt, geht hinterher im wahrsten Sinne alles schief. Die Autoren Wersching und Minnerup des anliegenden Beitrages erläutern die Schwächen und Stärken der weltweit am meisten genutzten Maße für die Schwere des Schlaganfalls und die Effektivität der Schlaganfalltherapie, die National Institutes of Health Stroke Scale (NIHSS), die Modified Ranking Scale (mRS) und den Barthel-Index (BI) für die Beurteilung der Selbstständigkeit im Alltag. Diese Skalen unterliegen sogenannten Boden- und Deckeneffekten, d. h. am oberen oder unteren Ende der Skala wird die Messung ungenau. Die Reliabilität ist ein anderes bedeutsames Qualitätsmaß für das benutzte Messinstrument. Besonders eindrucksvoll arbeiten die Autoren heraus, wie Oberflächlichkeiten oder Unschärfen in der Festlegung des Studiendesigns oder der Analysetechnik vor Studienbeginn die statistische Power einer Studie so verderben können, dass letztlich die Studie ihre Aussagekraft verliert – eine enorme Geldverschwendung und zudem ein unethisches Verhalten gegenüber den Studienteilnehmern. Damit das nicht passiert, sollte man den Beitrag von Wersching und Minnerup aufmerksam lesen.

E. B. Ringelstein, Münster