Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2011; 46(6): 402-407
DOI: 10.1055/s-0031-1280744
Fachwissen
Notfallmedizin
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Kardiopulmonale Reanimation (CPR) – Transport unter CPR – Wann macht es Sinn?

Transport with ongoing cardiopulmonary resuscitation – When does is it make sense?Christian Jens Diepenseifen, Ulrich Heister, Jens-Christian Schewe
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Publication Date:
17 June 2011 (online)

Zusammenfassung

Die aktuell gültigen Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) zur Reanimation geben keine eindeutigen Empfehlungen zum „Transport unter CPR“. Darüber hinaus existieren bis heute keine generell akzeptierten Abbruchkriterien der CPR, außer bei sicheren Todeszeichen. Bei insgesamt schlechtem Outcome für unter CPR-Bemühungen transportierte Patienten gibt es jedoch immer wieder positive Einzelfallberichte und unstrittige Indikationen (z.B. bei potenziell reversibler Ursache des Herz-Kreislaufstillstandes). Die in den letzten Jahren zu beobachtenden ansteigenden Transportraten unter CPR sind bislang nicht durch eine verbesserte Prognose dieser Patienten zu rechtfertigen. Der Einsatz automatischer Reanimationshilfen mit einer besseren Qualität von Thoraxkompressionen auch unter Transportbedingungen mag einen Einfluss auf die Transportraten haben, ist bisher jedoch hinsichtlich des Patienten-Outcome nur unzureichend evaluiert. Letztlich bleibt die Entscheidung zum Transport eine individuelle Entscheidung des Notarztes, die in Abhängigkeit der im Einzelfall evaluierten Prognose des Patienten zu sehen ist.

Abstract

The currently valid guidelines for resuscitation of the European Resuscitation Council (ERC) do not give any unambiguous recommendations for "transport with ongoing cardiopulmonary resuscitation". Furthermore, up to now there are no generally accepted criteria for terminating cardiopulmonary resuscitation, apart from certain signs of death. In spite of the generally poor outcome of patients being transported with ongoing cardiopulmonary resuscitation, there are a number of positive case reports and undisputable indications (e.g., in cases with a potentially reversible cause of cardiac arrest). The increase observed over the past few years in the number of patients being transported under cardiopulmonary resuscitation has as yet not been reflected in an improved prognosis for these patients. The use of mechanical chest compression devices with a better quality of chest compression, also under transport conditions, may have an influence on the number transports but this has not yet been evaluated sufficiently with regard to patient outcome. However, the decision to transport a patient resides with the responsible emergency physician who has to evaluate the prognosis for the patient on an individual basis.

Kernaussagen

  • Die qualitativ hochwertige kardiopulmonale Reanimation ist eine herausragende und gut zu trainierende Tätigkeit der präklinischen Notfallmedizin.

  • Bis heute existieren keine generell akzeptierten Abbruchkriterien der CPR, außer den sicheren Todeszeichen.

  • Bei insgesamt schlechtem Outcome für unter CPR transportierte Patienten gibt es immer wieder positive Einzelfallberichte und unstrittige Indikationen.

  • In den aktuellen ERC-Leitlinien 2010 finden sich nur wenige positive Empfehlungen für einen Transport unter CPR oder für prolongierte CPR-Maßnahmen.

  • Liegen keine potenziell reversiblen Ursachen des Herz-Kreislaufstillstands vor, erscheint ein Transport von Patienten unter CPR-Maßnahmen in einem arztbesetzten Rettungsdienstsystem grundsätzlich nicht sinnvoll.

  • Mögliche Indikationen für einen Transport unter CPR-Bedingungen sind beispielsweise Erkrankungen, die ausschließlich durch erweiterte klinische Interventionen therapiert werden können (z.B. schwere Hypothermie).

  • Der Einsatz automatischer Reanimationshilfen kann unter Transportbedingungen zu einer verbesserten Qualität von Thoraxkompressionen beitragen.

  • Indikationen für Patiententransporte unter CPR müssen differenziert gesehen werden und stellen immer eine individuelle Entscheidung des Notarztes dar.

  • Durch Auswertungen größerer Datenbanken (z. B. DGAI-Reanimationsregister) können künftig möglicherweise eindeutige Prädiktoren definiert werden.

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Literaturverzeichnis

Christian Jens Diepenseifen
Dr. med. Ulrich Heister
Dr. med. Jens-Christian Schewe

Email: jens-christian.schewe@ukb.uni-bonn.de