Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2011; 46(6): 386-391
DOI: 10.1055/s-0031-1280741
Fachwissen
Anästhesiologie
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Wachkraniotomie in der Tumorneurochirurgie – Was macht der Anästhesist?

Awake craniotomy for brain tumor resection – What does the anaesthesist do?Markus Klimek, Arnaud J. P. E. Vincent
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
17. Juni 2011 (online)

Zusammenfassung

Wachkraniotomien werden weltweit in zunehmendem Maße ausgeführt. Die Technik ermöglicht eine maximale Tumorentfernung mit minimalem Risiko auf funktionellen Schaden bei Hirntumoren, die sich in unmittelbarer Nähe zu funktionell relevanten Hirnarealen befinden. Diese maximale Resektion ist prognostisch günstig für den Patienten. Für den Anästhesisten birgt die Wachkraniotomie zahlreiche Herausforderungen, die sich vor allem durch das Fehlen der Vorteile einer Allgemeinanästhesie (gesicherter Atemweg, unterdrückte Reflexe) und die Risiken der Neurostimulation (Auslösen epileptischer Anfälle) erklären. Durch adäquate Patientenauswahl, intensive Vorbereitung und sorgfältige Begleitung während des Eingriffs kann diese Technik dennoch sicher und komfortabel für den Patienten ausgeführt werden. Der Artikel beschreibt detailliert das anästhesiologische Management im Erasmus MC des Universitätsklinikums Rotterdam, Niederlande.

Abstract

The numbers of awake craniotomies performed worldwide are rising. The technique allows a maximum of brain tumor resection with a minimal risk of functional damage in patients, where the tumor is growing close to functional relevant brain areas. The maximal resection improves the long-term outcome of these patients. For the anaesthetist awake craniotomy can be challenging, because he misses the advantages of general anaesthesia (safe airway, suppressed reflexes), but has to deal with the added risks of brain mapping and cortical stimulation (induction of epileptic insults). After adequate patient selection and intense (psychological) preparation a careful anaesthesiologist will be able to accompany the patient throughout this procedure safe and comfortable. This article describes the anaesthesiological management at Erasmus MC, University Medical Centre Rotterdam, The Netherlands, in detail.

Kernaussagen

  • Die Wachkraniotomie zur Tumorentfernung ist indiziert bei hirneigenen Tumoren in unmittelbarer Nähe zu funktionell relevanten Hirnarealen.

  • Bei der Patientenauswahl gilt es sorgfältig auf Kontraindikationen zu achten und eingriffsspezifischen Aspekten Rechnung zu tragen.

  • Die Mitwirkung des Patienten während des Eingriffs basiert auf einer guten Vorbereitung. Prämedikationsgespräche von 100 min sind die Regel.

  • Die üblichen Regelungen bezüglich Nüchternheit und Nikotinkarenz (klare Flüssigkeit bis 2 h vor OP-Beginn) müssen liberal angewendet werden.

  • Die Mitnahme von Gebissprothesen, Brillen und Hörgeräten in den OP kann notwendig sein, um neuropsychologisches Monitoring zu ermöglichen.

  • Vokalanästhesie – das gute ablenkende Gespräch mit dem Patienten – ist essenzieller Baustein des Anästhesieregimes.

  • Das von uns seit Jahren praktizierte, relativ minimalistische Regime mit dem kontinuierlich spontanatmenden Patienten unter Sauerstoffinsufflation ist sicher und erfolgreich.

  • Patienten nach Wachkraniotomien werden für 24 h postoperativ auf einer Post-Anesthesia-Care-Unit (PACU)/High-Care-Abteilung bewacht.

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Literaturverzeichnis

Dr. med. Markus Klimek
Arnaud J P E Vincent

eMail: M.Klimek@erasmusmc.nl