DO - Deutsche Zeitschrift für Osteopathie 2012; 10(01): 29-30
DOI: 10.1055/s-0031-1280399
DO | zukunft
Karl F. Haug Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG Stuttgart

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Thorsten Fischer
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Publication Date:
09 February 2012 (online)

Der Patient, der in die osteopathische Praxis kommt, hat meist einen klaren Handlungsauftrag: Die Beschwerden sollen verschwinden oder wenigstens besser werden. Zum Erreichen dieses Zieles befinden wir uns im therapeutischen Feld ständig auf der Suche nach einer noch besseren und schnelleren Heilungsmöglichkeit. Denn im klinischen Alltag werden wir ständig mit neuen Herausforderungen in Form von therapieresistenten oder schwer zugänglichen Beschwerden konfrontiert.

Die tägliche Auseinandersetzung mit der Tatsache, dass wir uns als therapeutisch Tätige auf einer ständigen Baustelle befinden, fordert uns viel Flexibilität und Motivation ab. Sie lässt aber auch Spielraum für Ausflüchte oder Schuldzuweisungen an den Patienten. Was kann der Osteopath machen, wenn die Patientin jeden Abend Rotwein trinkt und dadurch die eingeschränkte Lebermobilität fixiert, die für die Schulterbeschwerden verantwortlich ist? Oder ein Patient ständig Kaugummi auf der rechten Seite kaut und deswegen in der absteigenden Kette der Beckenschiefstand nicht besser wird, der die Knieschmerzen beim Bergabgehen hervorruft?

Es gab während meiner Osteopathieausbildung den immer wiederkehrenden Witz: „Was ist der Unterschied zwischen Gott und einem Osteopathen?“ Und die Antwort war: „Gott weiß, dass er kein Osteopath ist.“ Der Witz bildet die (z. T. absurd anmutende) diagnostische Datensammelwut einiger Osteopathen ab, die immer mehr Unbekannte in die Anamnese integrieren, sodass am Ende nur noch der Behandler oder der osteopathische Lehrer der jeweiligen Methode weiß, was therapeutisch zu tun oder „richtig“ ist.