DO - Deutsche Zeitschrift für Osteopathie 2012; 10(01): 24-26
DOI: 10.1055/s-0031-1280393
DO | gegenwart
Karl F. Haug Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG Stuttgart

Vom Dialog mit dem Gewebe zur Gestaltung der therapeutischen Beziehung

Christiane Kuhlmann
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Publication Date:
09 February 2012 (online)

Wenn man die 3 Säulen der Osteopathie betrachtet, bestehend aus parietaler, kranialer und viszeraler Osteopathie, so erscheint das zunächst als ein sehr tragfähiges und gut erarbeitetes Gerüst ( [Abb. 1] ). Anatomie, Physiologie, Biochemie und Pathophysiologie – um nur einige Repräsentanten klinischer Fächer zu nennen – sind in den Säulen enthalten, und wie im alten Griechenland erarbeitet sich der Student über die zumeist 5 Jahre Studienzeit Trommel für Trommel, um den Tempel weiter nach oben zu bauen. Gearbeitet wird an der Palpationsfähigkeit, der Synthese des theoretisch erworbenen Wissens in den Ausdruck des Gewebes.

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Abb. 1 Drei Säulen der Osteopathie. Foto: © Sabine Stiller

Wo ist man nach den 5 Jahren Grundausbildung angelangt? Auf der Hälfte der Gesamthöhe? Wer weiß das schon. Wenn wieder einige Zeit ins Land gegangen ist und man auf seine Glaubenssätze und auch Erkenntnisse aus damaligen Behandlungen zurückblickt, sieht wahrscheinlich jeder, dass es ein immerwährender Bau ist, an dem wir arbeiten, schleifen, verfeinern und Verzierungen hineinbringen. Im Unterricht der Postgraduate-Kurse findet man die Immerhungrigen, die manchmal enttäuscht sind, dass eine Vertiefung eines Organs, eines Themas nicht in der vollständigen Neuentwicklung liegt. Das Rad an sich wird nicht neu erfunden. Wohl kommen neue wissenschaftliche Erkenntnisse hinzu, ergänzen das Bild und beleuchten es oft ganz hell. Die neueren Erkenntnisse über die Spiegelneurone sind nur ein Beispiel davon. Worin aber können wir tiefer gehen?