Klinische Neurophysiologie 2011; 42(3): 149-155
DOI: 10.1055/s-0031-1277164
Originalia

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die Methode der Nervenexzitabilitätsmessung

Nerve Membrane Excitability MeasurementsW. J. Z’Graggen1 , 2 , H. Bostock2 , 3
  • 1Universitätsklinik für Neurochirurgie, Inselspital, Universitätsspital Bern und Universität Bern, Schweiz
  • 2Universitätsklinik für Neurologie, Inselspital, Universitätsspital Bern und Universität Bern, Schweiz
  • 3Sobell Department of Motor Neuroscience and Movement Disorders, Institute of Neurology, University College London, UK
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Publication Date:
23 May 2011 (online)

Zusammenfassung

Standard-Elektroneurografien von motorischen und sensiblen Nerven erlauben die Bestimmung von Latenzen, Nervenleitgeschwindigkeiten und Amplituden sowie Flächen von Reizantworten. Sie geben damit eine Aussage über die vorliegende Pathologie (demyelinisierend, axonal oder eine Kombination von beiden), jedoch erlauben sie kaum eine Aussage über die detaillierten Mechanismen, welche zur Neuropathie führen. Im Gegensatz dazu erlaubt die Methode der Nervenexzitabilitätsmessung eine Aussage über Veränderungen des Membranpotenzials von Axonen und/oder über die Funktion von Ionenkanälen am Ort der Stimulation. Nervenexzitabilitätsstudien sind nicht-invasiv und haben eine sehr gute Reproduzierbarkeit. Sie basieren auf dem Prinzip des „Threshold tracking”. Dabei wird die Stimulationsintensität unter verschiedenen Konditionen (als Folge von konditionierenden Stimuli oder während lange dauernden, unterschwelligen hyper- oder depolarisierenden Impulsen) durch einen Computer („threshold tracker”) kontinuierlich adjustiert, um eine vordefinierte Reizantwort zu erreichen. Hierzu wird die durch den Teststimulus evozierte Reizantwort mit der Ziel-Reizantwort verglichen. Aufgrund des Fehlers/Abweichung von dieser wird die Stimulationsintensität angepasst. Diese Anpassung erlaubt einen Rückschluss auf das Membranpotenzial sowie die Funktion von Ionenkanälen. In einer Vielzahl von klinischen und experimentellen Studien konnten mit dieser Methode wertvolle Informationen über Veränderungen der Nervenmembran bei erworbenen und hereditären Neuropathien gewonnen werden. Seit kurzem sind der benötigte elektrische Stimulator sowie eine spezielle Software kommerziell erhältlich. Dies führt dazu, dass die Methode der Nervenexzitabilitäsmessung zunehmend auch in der klinischen Routine von spezialisierten elektrophysiologischen Zentren eingesetzt wird.

Abstract

Standard nerve conduction studies of motor and sensory nerves involve measurement of latencies, nerve conduction velocities, amplitudes and areas of compound action potentials. They allow conclusions about the pathology of nerve disease (demyelinating, axonal or a combination of both) but give little insight into the underlying mechanisms of neuropathy. In contrast, the method of nerve excitability measurements provides additional information about nerve membrane potential and/or ion channel function at the site of stimulation. Nerve membrane excitability measurements are non-invasive and have a very good repeatability. Nerve membrane excitability measurements are based on the principle of “threshold tracking”, which means that stimulation intensity is automatically adjusted by a computer (“threshold tracker”) to obtain a pre-defined target response under different conditions (e. g., following conditioning stimuli, or during long-lasting subthreshold polarising currents). Many clinical and experimental studies have shown that nerve excitability measurements can provide new insights into the underlying mechanisms in hereditary and acquired neuropathies. Recently, a special stimulator and dedicated computer software have become commercially available, which allow the use of nerve membrane measurements also in a clinical setting.

Literatur

Korrespondenzadresse

PD Dr. med. W. J. Z’Graggen

Universitätskliniken für

Neurochirurgie und Neurologie

Inselspital

3010 Bern

Schweiz

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