PiD - Psychotherapie im Dialog 2011; 12(2): 132-136
DOI: 10.1055/s-0031-1276813
Aus der Praxis
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Internetsucht

Psychologische Variablen, diagnostische Einordnung und therapeutische ImplikationenKlaus  Wölfling, Kai  W.  Müller, Manfred  E.  Beutel
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Publication Date:
14 June 2011 (online)

Zusammenfassung

Statistiken des deutschen Suchthilfesystems verdeutlichen, dass immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene exzessive Nutzungsmuster in Bezug auf das Internet aufweisen. Nationale wie internationale Prävalenzerhebungen zur suchtartigen Internetnutzung unterstreichen, dass das Phänomen mit ca. 3 % Betroffenen nicht selten zu sein scheint. Betroffene berichten von Symptomen, die Parallelen zu substanzgebundenen Abhängigkeitserkrankungen erkennen lassen, wie z. B. ein intensiver Drang, dem Verhalten nachgehen zu müssen (Craving), fortgeführter Konsum trotz negativer Konsequenzen wie Leistungsabfall, gesundheitliche Probleme, intrafamiliäre Konflikte, Entzugserscheinungen bei verhindertem Konsum und Toleranzentwicklung (exzessiv ausufernde Nutzungszeiten). Auf neurowissenschaftlicher Ebene zeigen sich ähnliche kortikale Verarbeitungscharakteristika, wie sie von substanzgebundenen Abhängigkeitserkrankungen dokumentiert sind. Trotz erheblichen Leidensdrucks für Betroffene und deren Angehörige ist Internetsucht noch nicht als eigenständiges Störungsbild anerkannt. Auch existieren derzeit noch keine standardisierten und empirisch auf ihre Wirksamkeit überprüften psychotherapeutischen Interventionsprogramme oder Präventionskonzepte.

Literatur

Dipl.-Psych. Klaus Wölfling

Psychologische Leitung – Ambulanz für Spielsucht
Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Untere Zahlbacher Straße 8

55131 Mainz

Email: woelfling@uni-mainz.de