Aktuelle Rheumatologie 2011; 36(2): 85
DOI: 10.1055/s-0031-1275665
Editorial

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Die Schulter

The ShoulderL. Unger, st. Rehart
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Publication Date:
03 May 2011 (online)

L. Unger

st. Rehart

Patienten klagen in der orthopädisch- wie in der internistisch rheumatologischen Praxis sehr häufig über Beschwerden in den Schultern. Durch seine anatomischen Gegebenheiten mit dem großem Bewegungsradius bei geringer knöcherner Führung, ausgedehnter Muskelsicherung, 5 funktionellen Gelenkflächen und in seiner Verbindung zum gesamten Schultergürtel ist das Schultergelenk diagnostisch wie therapeutisch äußerst komplex und anspruchvoll.

Dabei behandeln beide rheumatologischen Disziplinen vielfach den Patienten gleichzeitig aus verschiedenen Blickwinkeln und oft genug, ohne um die jeweiligen Besonderheiten des Komplementärfaches zu wissen.

Wir haben uns daher mit diesem Heft der Aufgabe gestellt, aktuelles Wissen aller beteiligten Fachrichtungen zum Schultergelenk zusammen zu führen.

Im Zeitalter zunehmender „Arbeitsverdichtung” und häufig zur Verfügung stehender – und deshalb schnell genutzter – apparativer Technik, erscheint es uns wichtig, auf die Möglichkeiten einer subtilen klinischen Diagnostik hinzuweisen (Kasten, P.). Dieses nicht zuletzt deshalb, weil gerade internistisch ausgebildete Rheumatologen nicht immer die Chance hatten und haben, dies bei ihrem Werdegang genügend zu erlernen.

Selbstverständlich profitieren wir alle von der immer mehr verfeinerten bildgebenden Diagnostik (Naumann, L.). Ein Sonografiegerät gehört heute zur Standardausrüstung einer Praxis sowohl orthopädisch- als auch internistisch-rheumatologischer Prägung. Besonders die MRT und CT haben einen festen Stellenwert im klinischen Alltag und jede Untersuchungsmethode hat ihre spezifischen Vorteile.

Ein strukturierter diagnostischer Algorithmus hilft, entzündlich-rheumatische Erkrankungen zu differenzieren (Seidel, W.) und degenerative Leiden sowie traumatische Schulterverletzungen und ihre Folgen (Fischer, Ch.) abzugrenzen.

Besonders bei der rheumatoiden Arthritis stellt das oft mitbetroffene Schultergelenk eine echte Herausforderung dar. Durch die Kompensationsmöglichkeiten des Schultergürtels sowie des Hand- und Ellenbogengelenkes wird das wahre Ausmaß des Schadens – vor allem an der Muskulatur und dem Kapsel-/Bandapparat – häufig unterschätzt. Je früher ein multimodales (primär immer konservatives) Therapiekonzept einsetzt, umso besser sind die Chancen für eine mittel- und langfristig gut bewegliche Schulter beim „Rheumatiker” (Fuerst, M.). Eine suffiziente Basistherapie, der Aktivität der Erkrankung angepasst und den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie im Allgemeinen folgend, ist dabei unabdingbar.

Wenn unter dieser adäquaten systemischen und gegebenenfalls lokalen und konservativen Therapie eine aktive Schultergelenkbeteiligung fortbesteht, ist eine operative Versorgung zu diskutieren (Biehl, Ch.). Insbesondere die Indikation zu einer minimal-invasiven Synovektomie mit nachfolgender Radiosynovioorthese sollte dabei nicht zu spät gestellt werden. Zur offenen operativen Versorgung kommt es in der Regel erst in fortgeschrittenen Stadien. Deren Erfolg ist wesentlich von der Qualität und Rekonstruierbarkeit der Rotatorenmanschette abhängig. Verschiedene Operationsmethoden werden erläutert.

Schließlich projizieren sich Schmerzen bei einer Reihe von internistischen Erkrankungen auf das Schultergelenk, die ihren Ursprung in weit entfernt liegenden Regionen des Körpers haben können (Keyßer, G.). Bei einigen internistischen Erkrankungen, wie zum Beispiel dem apoplektischen Insult, der Dialyse-Arthropathie, Amyloidose oder Kristallarthropathien können Schultersymptome im Fokus stehen.

Zum Schluss möchten wir Ihre Aufmerksamkeit auf das benachbarte, häufig etwas vernachlässigte Sternoklavikulargelenk richten. Aus der Praxis heraus werden differenzialdiagnostische Überlegungen beschrieben (Enderlein, M.).

Wir freuen uns über die Möglichkeit, das Schultergelenk in seiner Komplexizität interdisziplinär darstellen zu können und danken allen Kollegen für ihre engagierten Beiträge. Ihnen wünschen wir eine spannende und inhaltlich zufriedenstellende Lektüre!!

Dresden/Frankfurt im März 2011

L. Unger, St. Rehart

Korrespondenzadresse

Dr. Leonore Unger

Chefärztin

Krankenhaus

Dresden-Friedrichstadt

Akademisches Lehrkrankenhaus

der Technischen

Universität

I. Medizinische Klinik

Sekretariat: Angela Reimann

Friedrichstraße 41

01067 Dresden

Phone: + 49/0351/480 1400

Fax: + 49/0351/480 1119

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