ZWR 2011; 120(3): 102-111
DOI: 10.1055/s-0031-1275609
Fortbildung
Umwelt-ZahnMedizin/Allgemeine Zahnheilkunde
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Der Epikutantest – In der Diagnostik von Typ-IV-Allergien conditio sine qua non oder nicht?

Patch Test Conditio sine qua non for Diagnostics of Type IV Allergies or not?K. E. Müller
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Publication Date:
18 March 2011 (online)

Der Epikutantest ist ein etabliertes Verfahren zur Abklärung des allergischen Kontaktekzems, der fotoallergischen Dermatitis und mit Einschränkung der allergischen Kontaktstomatitis, wenn sie durch eine Typ-IV-Allergie (Allergie vom Spättyp, T-Zell-vermittelte Allergie) nach Coombs und Gell verursacht werden. Der Allergieentwicklung geht die Exposition von Antigenen in der Haut und/oder der Schleimhaut voraus. Die Antigenpräsentation durch dendritische Zellen, die durch Interleukin-2 (IL-2) gesteuerte Sensibilisierung und das Klonen von T-Lymphozyten schließen diesen Prozess ab. Der Epikutantest ist nicht geeignet, zuverlässig Typ-IV-Allergien zu klären, bei denen das auslösende Antigen entfernt vom Ort der Aufnahme der Ausgangssubstanz gebildet wird, was bei Haptenen immer dann der Fall ist, wenn sie über die Schleimhäute aufgenommen werden und die notwendige Proteinbindung zur Bildung eines Antigens an einem anderen Ort erfolgt. Bei allen nicht physiologisch benötigten Metallen kann dies relevant sein. Auch ist der Epikutantest nicht geeignet, Allgemeinsymptome und Befindlichkeitsstörungen zu klären oder den Zusammenhang solcher Beschwerden mit einer Spättyp-Allergie auszuschließen, die durch die systemische Sensibilisierung von T-Zellen und die damit verbundene systemische Freisetzung proinflammatorischer Zytokine verursacht sind. Die Auswirkungen auf die Funktion des Neuroendokrinoimmunsystems (NEIS) müssen durch Verfahren untersucht werden, die in der Lage sind, systemische Effekte zu erfassen und zu klären. Der Lymphozyten-Transformationstest (LTT) hat diesbezüglich die diagnostischen Möglichkeiten entscheidend erweitert. Der Epikutantest ist ein diagnostisches Verfahren der Haut, mit dem nur solche Typ-IV-Allergien validiert untersucht werden können, die an der Haut und den Schleimhäuten entstehen und sich dort auch klinisch manifestieren.

Patch test is an established bioassay for diagnostics of contact dermatitis, photoallergic contact dermatitis and in some degree of contact stomatitis caused by type IV allergy (delayed-type allergy) corresponding classification of Coombs and Gell. In this case allergens penetrating skin and/or mucous membrane are presented by dendritic cells to naive T-lymphocytes causing sensitation and proliferation of sensitized T-lymphocytes regulated by interleukin-2 (IL-2). Manifestations of type IV allergy in other organs or functional systems than skin and mucosa cannot be clarified by patch test. A fact especially being important for metals not physiologically needed penetrating skin and/or mucosa as haptens but finally forming antigens by protein binding at different places in the body. Thus general symptoms may result caused by delayed-type allergy and systemic effects of proinflammatory cytokines by neuro-endocrine interaction. Method of choice for diagnostics of systemic effects is lymphocyte transformation test (LTT). Patch test is only acceptable as „scientific proof“ of contact dermatitis, photoallergic contact dermatitis, for some cases of allergic stomatitis and only therefore of medicolegal importance. The validity of LTT concerning systemic effects of type IV allergy cannot be controlled by patch test.