physiopraxis 2011; 9(3): 16-17
DOI: 10.1055/s-0031-1275430
physiowissenschaft

Schlaganfall – Gehirngesteuerte Orthese verbessert Armfunktion

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Publication Date:
18 March 2011 (online)

 

Nach einem Schlaganfall ist die Funktion der oberen Extremität oft gestört. Nutzt man in der Therapie eine gehirngesteuerte Orthese und kombiniert diese mit Physiotherapie, könnten Betroffene deutlich davon profitieren.

Zusammen mit einem multidisziplinären Team aus Deutschland und Italien beschrieb Doris Brötz von der Universität in Tübingen den erfolgreichen Einsatz einer durch das Gehirn gesteuerten Orthese – einem sogenannten Brain-Computer-Interface (BCI). Über ein Jahr hinweg verfolgte die Forschergruppe einen Patienten, der 14 Monate zuvor eine rechtsseitige Blutung im Bereich des Thalamus erlitten hatte. Zu Beginn der Beobachtungsphase konnte der Patient weder den betroffenen Arm noch die Hand bei Alltagsaktivitäten einsetzen und konnte selbst kurze Strecken nur sehr unsicher gehen. Die Forscher untersuchten wiederholt seine Armfunktion, seine Gehfähigkeit sowie die Reorganisation des Gehirns.

Innerhalb eines Jahres absolvierte der Proband drei Trainingsphasen von jeweils einem Monat. Darin lernte er, die Orthese, die am Arm fixiert war, über eigene Hirnaktivitäten zu steuern und mit ihr zu trainieren. Nach jeder Einheit, in der er mit dem BCI gearbeitet hatte, übte der Proband noch aktiv mit seinem betroffenen Arm. Anschließend führte er ein Gehtraining durch. Nach einem Jahr hatte sich der Patient in allen Bereichen um rund 50 % verbessert. So konnte er beispielsweise die Finger willkürlich öffnen und Gegenstände ergreifen. Das Gehen war ebenfalls deutlich schneller und sicherer. Auf neuronaler Ebene zeigte sich eine gesteigerteAktivität der ipsiläsionalen Hemisphäre.

Doris Brötz und ihre Kollegen sind der Ansicht, dass ein mit Physiotherapie kombiniertes BCI-Training eine effektive Alternative darstellt, um die Motorik eines plegischen Armes in der chronischen Phase nach einem Schlaganfall zu verbessern.

hoth

Neurorehabil Neural Repair 2010; 24: 674–679