DO - Deutsche Zeitschrift für Osteopathie 2011; 9(02): 9-14
DOI: 10.1055/s-0030-1270828
DO | spektrum
anatomie
Karl F. Haug Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG Stuttgart

Anatomie des Kiefergelenks als Teil des kraniomandibulären Systems

Rainer Breul
,
Regina Breul
Further Information

Publication History

Publication Date:
07 April 2011 (online)

In der zahnmedizinischen Behandlung nehmen Irritationen des kraniomandibulären Systems einen breiten Raum ein, die zunächst nur mit dem Kiefergelenk in Verbindung gebracht wurden. Doch schon bald zeigte sich, dass sich hinter diesem Krankheitsbild komplexe dysfunktionelle Verknüpfungen mit fast allen kranialen und postkranialen Organsystemen verbergen können. In diesem Beitrag kann wegen der Komplexität nur ein Teilaspekt betrachtet werden, in dem aus anatomischer Sicht die Verknüpfung des kraniomandibulären Systems mit dem Bau des Kiefergelenks, des zugehörigen Muskelapparats, der zentralnervösen Steuerung und Kontrolle der Mastikation unter Einbeziehung der Biomechanik dargelegt werden.

Bei einer makroskopisch-funktionell ausgerichteten Betrachtungsweise des kraniomandibulären Systems des Menschen steht meistens das Kiefergelenk im Mittelpunkt, da es an der Ausführung wichtiger Funktionen unseres Gesamtorganismus beteiligt ist. Diese lassen sich ihrer Bedeutung nach in folgende Teilfunktionen untergliedern:

  • mastikatorisch für Nahrungsaufnahme, ‒zerkleinerung und ‒aufbereitung in schluckfähige Bissen

  • sensitiv und sensorisch für Tast-, Druck-, Temperatur- und Geschmacksempfindungen

  • respiratorisch für Nasen- und Mundatmung

  • phonetisch für Bildung von Vokalen und Konsonanten

  • ästhetisch-physiognomisch durch Aktivität der mimischen Muskulatur

Dafür, dass das Kiefergelenk in einem größeren Zusammenhang gesehen werden muss [29], [30], können neben diesen funktionell bedeutsamen Funktionen eine Vielzahl von anderen wichtigen Gründen aufgeführt werden. Es gehört als wesentliche Komponente im kraniomandibulären System zu einem sehr komplexen anatomischen Funktionskreis, der bei der Mastikation und dabei besonders bei der biomechanischen Bewältigung seiner Aufgabe einer mehrstufigen zentralnervösen Steuerung und Kontrolle unterliegt. Diese Steuerung bedarf des ständigen Zuflusses von sensitiven und sensorischen Informationen aus dem Viszerokranium und dem postkranialen System, damit ein physiologisch normaler Ablauf der Gesamtfunktion gewährleistet wird.

Literaturverzeichnis als PDF