Geburtshilfe Frauenheilkd 2011; 71(2): 122-127
DOI: 10.1055/s-0030-1270730
Originalarbeit/Wissenschaftliche Arbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Mehrlingsproblematik nach ART (Assisted Reproductive Technologies) aus geburtshilflicher, neonatologischer und bioethischer Sicht

The Problem of Multiple Pregnancies after ART (Assisted Reproductive Technologies) – Obstetric, Perinatal and Bioethical ConsiderationsB. Maier1 , S. Reitsamer-Tontsch1 , T. Jäger1 , C. Weisser2 , B. Schreiner1
  • 1Ambulanz für gynäkologische Endokrinologie und assistierte Reproduktion der Universitätsklinik für Frauenheilkunde, und Geburtshilfe, Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU)/Salzburger Landeskliniken (SALK), Salzburg
  • 2Sonderauftrag für Neonatologie, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, PMU/SALK, Salzburg
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Publication History

eingereicht 30.8.2010 revidiert 5.10.2010

akzeptiert 13.1.2011

Publication Date:
24 February 2011 (online)

Zusammenfassung

Fragestellung: Österreich hat keine offizielle Baby-Take-Home-Rate nach ART-induzierten Schwangerschaften. In dieser retrospektiven Studie wurde versucht, ART-induzierte Mehrlingsschwangerschaften an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg, Österreich, von 2000–2009 zu erheben, um einen Überblick über ART-induzierte Mehrlingsschwangerschaften in Österreich zu bekommen. Material und Methode: Die retrospektive Analyse umfasst 22 115 Geburten/22 714 Kinder. ART-induzierte Schwangerschaften (n = 565) wurden über Aufnahme- und Geburtsberichte, pränataldiagnostische Befunde und Krankengeschichten aus der neonatologischen Intensivstation erhoben. Ergebnisse: Von allen Mehrlingsschwangerschaften, die bei der Geburt analysiert wurden (n = 566), waren 174 über ART entstanden, was einer Rate von 30,7 % entspricht. Aus diesen resultierten 1165 Kinder. 368 Mehrlingskinder wurden nach ART (ovarielle hormonelle Stimulationsbehandlungen und Inseminationen eingeschlossen) geboren, was einem Anteil von 31,6 % an allen Mehrlingskindern entspricht. Aus ART-Mehrlingsgeburten mit vorausgegangenem ET (Embryotransfer, n = 146) resultierten 306 Kinder, 264 Zwillingskinder und 42 Drillingskinder, was einem Anteil von 22,7 und 3,6 % an allen Mehrlingskindern entspricht. Schlussfolgerung: Die Mehrlingsrate nach ART mit ET ist extrem hoch. Die Ergebnisse dieser retrospektiven Studie unterstreichen die Notwendigkeit einer Baby-Take-Home-Rate nach ART in Österreich. Die Förderung einer elektiven Single-Embryotransfer-Praxis könnte Mehrlingsschwangerschaften reduzieren helfen. Ethische Überlegungen berücksichtigen das beste Interesse des Kindes/der Kinder und bewerten ART über die Folgen, die sich für Kinder, die über ART entstanden sind, ergeben.