Dialyse aktuell 2010; 14(8): 419
DOI: 10.1055/s-0030-1268155
Editorial

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Unterschätzen wir die Gefahr?

Birgit Kleinlein
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Publikationsdatum:
14. Oktober 2010 (online)

Grippewelle? Ach hör mir damit auf! So oder so ähnlich reagieren viele auf das Thema Grippeimpfung. Nach der teilweise schon hysterisch anmutenden Berichterstattung im Vorfeld der letztjährigen Grippesaison waren viele regelrecht „enttäuscht“ vom relativ milden Verlauf der Grippesaison im vergangenen Jahr. Doch wir hatten einfach nur Glück, so Prof. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich Instituts (PEI). Wie schwer die Influenzawelle diese Saison werde, könne man nicht vorhersagen. Das PEI und das Robert Koch-Institut warnen daher davor, die Grippeviren zu unterschätzen. Auch wenn das Horrorszenario letztes Jahr ausgeblieben sei, wäre es falsch, die Influenza als ungefährlich einzuschätzen.

Wie eine Studiengruppe der amerikanischen Transplantationsgesellschaft um Prof. Deepali Kumar, Alberta (USA), herausfand, war eine Infektion mit dem H1N1-Virus etwa für Menschen mit Organtransplantaten mit einem erhöhten Risiko für schwere Krankheitsverläufe und einem erhöhten Mortalitätsrisiko verbunden (Lancet Infect Dis 2010; 10: 521–526).

Der aktuelle Impfstoff schützt gegen 3 Virusstämme und zudem gegen das sogenannte „Schweinegrippe“-Virus. Eine separate Impfung wie in der vergangenen Saison ist daher nicht mehr notwendig. Die Gesundheitsbehörden empfehlen die Impfung medizinischem Personal, älteren Personen (> 60 Jahre) und chronisch Kranken. Dies gelte auch für Menschen, die bereits gegen die Influenza A/H1N1 (Schweinegrippe genannt) geimpft sind.

Die mediale Hysterie im letzten Winter war übertrieben, keine Frage. Doch machen wir jetzt nicht den Fehler, das Risiko zu unterschätzen und informieren wir die Risikogrupe, wie etwa die chronisch Nierenkranken und die Transplantierten. Und gehen Sie mit gutem Beispiel voran: Mit einer Impfquote von 20 % bei der saisonalen Influenza ist die Impffreudigkeit beim medizinischen Personal im Krankenhaus übrigens geringer als bei älteren Personen und chronisch Kranken.

Birgit Kleinlein

Stuttgart

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