Ultraschall in Med 2010; 31 - P9_01
DOI: 10.1055/s-0030-1266848

Hyperthyreose in der 16. SSW bei partieller Blasenmole

M Bulgay-Mörschel 1, R Fröber 2, A Lauten 3, E Schleußner 3
  • 1Klink für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Abteilung Geburtshilfe, Universitätsklinikum Jena, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Jena
  • 2Institut für Anatomie, Universitätsklinikum Jena, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Jena
  • 3Klink für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Abteilung Geburtshilfe, Universitätsklinikum Jena, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Jena

Patienten und Methode: Die partielle Blasenmole gehört zu den benignen gestationsbedingten Trophoblasterkrankungen. Ihr liegt meist ein triploider Chromosomensatz infolge der Befruchtung einer Eizelle durch zwei Spermien zugrunde. Ein vitaler Embryo weist häufig Anomalien wie z.B. frühe Wachstumsretardierung, Verkürzung von Femur und Humerus, Hand-/Fußfehlbildungen, Mikrognathie und Herzfehlbildungen auf. Die Klinik kann durch vaginale Blutungen, sekundäre Anämie, Subikterus, Gestosezeichen sowie Hyperthyreosen imponieren. Die Erstvorstellung der 29 jährigen G2P1 erfolgte in der 13+3 SSW zum Ersttrimesterscreening. Aufgrund der bereits in dieser Schwangerschaftswoche auffälligen Plazentastruktur und eines minimalen Perikardergusses wurde die Verlaufskontrolle für die 16. SSW vereinbart. Die Wiedervorstellung erfolgte wegen Oberbauchbeschweren, Hypertonie und Transamnisenerhöhung sowie Symptome der Hyperthyreose bereits in der 15+1 SSW. Sonografisch zeigten sich eine molare Plazenta und eine IUGR. Die Zytogenetik ergab eine Triploidie: 69,XXY. Der ß-hCG Wert betrug 2225000 IU/l. Aufgrund der klinisch manifesten Hyperthyreose und der schlechten fetalen Prognose erfolgte die Abortinduktion mit Sulproston intravaginal und die Therapie mit Methizol und Propanolol. Nach Ausstoßung verbesserte sich der klinische Zustand der Patientin rasch. Die Histopathologie bestätigte die Verdachtsdiagnose der partiellen Blasenmole und zeigte einen leicht dystrophen Fetus mit mikrozephalem Kopf und Hypoplasie der Mandibula, verzögertes Skelettwachstum, abnorme Verformung der Leber und gestörte peritoneale Anheftung des Colons. Die Nachbeobachtung der Patientin ergab keine Pathologien der Thyroidea oder kardiopulmonale Auffälligkeiten, der ß-hCG Wert sank in den darauf folgenden Wochen unter die Nachweisgrenze.

Schlussfolgerungen: Bei akut einsetzenden hyperthyreoten Symptomen sollte bei Frauen im gebärfähigen Alter differentialdiagnostisch auch eine gestationsbedingte Trophoblasterkrankung in Betracht gezogen werden.