Aktuel Ernahrungsmed 2010; 35(6): 273-274
DOI: 10.1055/s-0030-1265919
Editorial

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Vierzehn Jahre Schriftleitung: Prof. em. Dr. med. Günther Wolfram

Fourteen Years of Editorship: Professor Günther WolframS.  C.  Bischoff1
  • 1Institut für Ernährungsmedizin, Universität Hohenheim
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Publication Date:
01 December 2010 (online)

Prof. em. Dr. med. Günther Wolfram

Im Jahr 1997 hat Herr Prof. Wolfram die Schriftleitung der „Aktuellen Ernährungsmedizin” (AEM) von Herrn Prof. Dr. med. Reinhold Kluthe übernommen, dem Gründungsherausgeber und Schriftleiter, der die Geschicke der Zeitschrift von 1976–1996 bestimmte. Die ersten schwierigen Jahre waren vergangen nach der mutigen Gründung, unmittelbar nachdem ein Vorläuferprojekt „Medizin und Ernährung” wegen Abonnentenmangels eingestellt wurde. Herr Prof. Kluthe konnte damals nach der Gründung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Klinische Ernährung und Diätetik im Jahr 1975, aus der später die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin hervorging, den Verleger Herrn Dr. Hauff überzeugen, nochmals ein solches Wagnis zu beginnen. Zwanzig Jahre später, nachdem Herr Dr. Hauff Herrn Prof. Kluthe für seine Dienste als Schriftleiter geehrt hat, dankte dieser ab in der Gewissheit, die Zeitschrift zu einer festen Größe entwickelt und als Organ der DGEM etabliert zu haben. In seinem letzten Heft (Ausgabe 5, Jahrgang 21, 1996) bot Herr Prof. Kluthe einen Überblick darüber, was sich auf dem Gebiet der Ernährungsmedizin entwickelt hatte und als Bestandsaufnahme und damit als Ausgangspunkt für die nächsten Jahre angesehen werden darf. Diese nächsten Jahre wurden von Herrn Prof. Wolfram geprägt. Wer ist dieser Mann, der die AEM zu einer so auflagenstarken deutschsprachigen Fachzeitschrift gemacht hat?

Prof. em. Dr. med. Günther Wolfram wurde 1936 im Sudetenland geboren, legte sein Abitur in Weiden in der Oberpfalz ab und studierte anschließend Humanmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, wo er 1963 mit dem Staatsexamen abschloss. 1965 wurde er zum Dr. med. promoviert (summa cum laude), 1970 wurde er Facharzt für Innere Medizin, 1972 habilitierte er für die Fächer Innere Medizin und Klinische Ernährung. Im Folgejahr wurde er Oberarzt der Medizinischen Poliklinik der Universität München, bis er 1977 zum Ordentlichen Professor für Ernährungslehre an der Technischen Universität München und Leiter des Instituts für Ernährungswissenschaft in Freising-Weihenstephan ernannt wurde.

Seither hat er zahlreiche Aufgaben übernommen und Anerkennungen erfahren, darunter als Vorsitzender des Kuratoriums Schulverpflegung (1985–2005), Präsident der Gesellschaft für Ernährungsbiologie (1987–2002), Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (1989–1991), Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (1990–1992 sowie 1994–1998), Ständiger Vorsitzender des Ausschuss Nährstoffbedarf der DGE (seit 1975), Außerordentliches Mitglied der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft (1996–2008), Wahl in die Deutsche Akademie der Naturforscher „Leopoldina” (2000), Bundesverdienstkreuz am Band (2002), Carl-von-Voit-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (2003), Ernst-Kofranyi-Medaille der Deutschen Akademie für Ernährungsmedizin (2008), um nur die wichtigsten zu nennen.

Über viele Jahre ist Herr Prof. Wolfram in der ernährungsmedizinischen und ernährungswissenschaftlichen Fachpresse tätig gewesen, zunächst als Chefredakteur der Ernährungsberichte der DGE (1992, 2000, 2004, 2008) und der Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr bzw. der DACH-Referenzwerte (1985, 1992, 2000), dann als Schriftleiter der „Infusionstherapie” (Karger Verlag) bis 1995, als Editor der „Annals of Nutrition and Metabolism” (Karger Verlag) bis 2000 und zuletzt als Schriftleiter der „Aktuellen Ernährungsmedizin” (Thieme Verlag). Er hat wie kaum ein anderer dazu beigetragen, dass das Fachgebiet Ernährungsmedizin in der deutschen Fachpresse vertreten ist. Früh hat er verstanden, dass die Zeitschrift „Aktuelle Ernährungsmedizin” ein „Forum der fachlichen Begegnung verschiedener Berufsgruppen, darunter Ernährungsmediziner, Diätassistenten, Ökotrophologen und Pflegepersonal, aber auch Pharmazeuten und Pharmakologen” sein muss (Zitat aus Aktuel Ernahrungsmed 1997; 22: 1). Immer wieder hat er darauf hingewiesen, dass Ernährungsmedizin und Ernährungswissenschaft eine „Symbiose” bilden müssen, von der die einschlägigen Berufsgruppen, aber auch die ernährungsmedizinische Krankenversorgung profitieren (Aktuel Ernahrungsmed 2003; 28: 12–16). Diese Überzeugung hat er in der Zeitschrift konsequent umgesetzt, deren Beiträge nahezu gleichermaßen von beiden Disziplinen stammen.

Die Symbiose von Ernährungsmedizin und Ernährungswissenschaft spiegelt sich auch in seinem beruflichen Werdegang wider. Zunächst Mediziner und Internist, später Professor für Ernährungswissenschaft, immer war es ihm ein Anliegen, interessierte Menschen aus-, weiter- und fortzubilden. In der Lehre vertrat Herr Prof. Wolfram nach seiner Berufung an die TU München, Standort Weihenstephan, das Fach „Ernährungslehre” im Diplomstudiengang Ökotrophologie und im Lehramtsstudiengang der beruflichen Fachrichtung Ernährungs- und Hauswirtschaftswissenschaft. Auch an der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München vertrat er weiterhin das Fach „Klinische Ernährung”. Zu den von ihm angebotenen Lehrveranstaltungen gehörten: Ernährung des Menschen, Verdauungsphysiologie, Prophylaktische Ernährung, Klinische Ernährung und Diätetik, Pathophysiologie und Präventivmedizin.

Schwerpunkte der Forschungsaktivitäten von Herrn Prof. Wolfram sind die Energiebilanz des Menschen, der Stoffwechsel der Hauptnährstoffe, der Purinstoffwechsel, der Bedarf des Menschen an essenziellen Nährstoffen, die essenziellen Fettsäuren und deren Metaboliten, Cholesteroloxidationsprodukte und Flavonoide sowie die Ernährungsepidemiologie. Ferner befasste er sich mit der Ernährungstherapie bei Fettsucht, Dyslipoproteinämie, Gicht und selteneren Stoffwechselkrankheiten sowie der parenteralen Ernährung mit Fettemulsionen. Die dabei eingesetzten Verfahren reichen von Formeldiätversuchen am Menschen über stabile Isotope bis zu Zellkulturen und molekularbiologischen Methoden. In diese Aktivitäten eingebunden waren zahlreiche Diplomanden und Doktoranden und die Ergebnisse fanden Niederschlag in vielfältigen wissenschaftlichen Originalarbeiten, wissenschaftlichen Veröffentlichungen sowie in mehreren Kapiteln in Fachbüchern.

In den Jahren seiner Herausgeberschaft der „Aktuellen Ernährungsmedizin” 1997–2010 hat sich das Umfeld der Ernährungsmedizin deutlich verändert. „Angesichts der steigenden Kosten im Gesundheitswesen sind Prävention und Therapie durch Ernährung immer mehr in das Blickfeld von Politik und Bevölkerung, aber nicht zuletzt auch der Ärzteschaft geraten”, stellt Herr Prof. Wolfram 2006 fest, anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Zeitschrift (Aktuel Ernahrungsmed 2006; 31: 97). Insbesondere die Herausforderung der krankheitsassoziierten Mangelernährung ist neben Adipositas ein zentrales Thema in der modernen Ernährungsmedizin. Die Zeitschrift hat mit diesen Entwicklungen Schritt gehalten und bietet heute ihren Lesern ein breites Angebot von Beiträgen zu diesen und anderen wichtigen Themen. Dafür gebührt Herrn Prof. Wolfram ausdrücklicher Dank! Er hat in unermüdlicher Weise unter nicht einfachen Bedingungen praktisch ohne personelle Unterstützung immer Autoren für Originalarbeiten und Übersichtsarbeiten gewonnen, durch persönliche Kontakte und Gespräche zur Mitarbeit motiviert und durch beharrliche Diskussion sowohl Verlag wie auch die tragenden Fachgesellschaften von seinem Konzept überzeugt. Nicht zuletzt hat er vor allem die Leser überzeugt, die heute in die Tausende gehen, und die der Zeitschrift meist über viele Jahre treu bleiben (s. Leserumfrage zur Aktuellen Ernährungsmedizin 2010, Seite 269 in dieser Ausgabe). Er hat die Zeitschrift nachhaltig geprägt.

Die neue Schriftleitung der „Aktuellen Ernährungsmedizin” wie das Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin danken Herrn Prof. Wolfram für seine 14-jährige Tätigkeit und seine damit verbundenen großen Verdienste um die Zeitschrift herzlich und wünschen ihm weiterhin Gesundheit, Glück und Freude am Leben.

Prof. Dr. Stephan C. Bischoff

Institut für Ernährungsmedizin, Universität Hohenheim

Fruwirthstraße 12

70593 Stuttgart

Email: bischoff.stephan@uni-hohenheim.de