Zeitschrift für Palliativmedizin 2010; 11 - P84
DOI: 10.1055/s-0030-1265428

Akzeptanz als zentrales Element der Grundhaltung in der Arbeit mit schwerstkranken und sterbenden Menschen

C Ramsenthaler 1, G Geiss-Mayer 1, 2, C Bausewein 1, 3, ST Simon 1, 3
  • 1Institut für Palliative Care (ipac), Oldenburg, Germany
  • 2Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg, Institut für Gesundheits- und Klinische Psychologie, Oldenburg, Germany
  • 3King's College London, Department of Palliative Care, Policy and Rehabilitation, London, United Kingdom

Fragestellung: Grundhaltung kann als grundlegende innere Einstellung, auf die sich das Denken und Handeln begründet, definiert werden. Was macht Grundhaltung im Bereich Palliativmedizin und Hospizarbeit aus?

Methodik: Postalische Befragung von Professionellen in 63 Palliativstationen, Hospizen und ambulanten Palliativdiensten aus Nord- und Mitteldeutschland in 2007. In einem Fragebogen mit 5 offenen Fragen wurde u.a. nach der inneren Haltung in der Arbeit mit schwerstkranken und sterbenden Menschen gefragt. Die Daten wurden qualitativ inhaltsanalytisch nach Mayring ausgewertet.

Ergebnisse: Die Rücklaufquote betrug 51% (350 Professionelle). Als wichtigste Bestandteile ihrer Grundhaltung nannten die Befragten Werte wie Ehrlichkeit, Authentizität und Wahrhaftigkeit. Dabei wurde die Akzeptanz des Anderen als die zentrale Haltung beschrieben. Akzeptanz wurde mithilfe einer Reihe alternativer Begriffe wie Zugewandtheit, Respekt und Achtung vor der Würde und Autonomie des Sterbenden genauer charakterisiert. Sie besteht den Aussagen der Professionellen zufolge im Kern aus einer inneren Bereitschaft, dem Anderen offen und unvoreingenommen gegenüberzutreten, d.h. dass das Gegenüber in seinem So-Sein und seiner Individualität wertfrei angenommen wird. Es geht darum, sich selbst als Person zurückzunehmen und zu versuchen, Verständnis auch für Wünsche und Einstellungen des Patienten zu entwickeln, die vom eigenen Standpunkt abweichen.

Schlussfolgerung: Die Akzeptanz des Anderen wird als zentrales Element der Grundhaltung in der Arbeit mit sterbenden Menschen angesehen. Sie ist als ethische Haltung fest in der Person verankert. Professionelle bringen sich mit ihrer eigenen Persönlichkeit in die Arbeit ein, was über das alleinige Einnehmen einer professionellen Rolle hinausgeht. In der praktischen Umsetzung führt Akzeptanz dazu, dass der professionell Tätige gemäß den Wünschen und Bedürfnissen des Sterbenden handelt. Insofern ist sie der Kern einer patientenzentrierten Haltung.