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DOI: 10.1055/s-0030-1265376
Hoch dosiertes Hydromorphon zur Behandlung neuropathischer Schmerzen: Ein Fallbericht aus der Palliativmedizin
Fragestellung: Hydromorphon (HM) ist ein hochpotentes semisynthetisches Opioid zur Behandlung von Tumor- und Nichttumorschmerzen. In diesem Fallbericht sollen die Sicherheit und Wirksamkeit einer hoch dosierten (hd) kontinuierlichen, intravenösen Hydromorphon-Therapie bei einem Tumorpatienten mit schwer behandelbaren neuropathischen Schmerzen beschrieben werden, bei welchem unter hd Oxygesic (OX)- und Levomethadon (LM)-Behandlung keine suffiziente Schmerzreduktion zu erzielen war.
Methodik: Fallbericht mit Darstellung des medikamentösen Behandlungsmanagements.
Ergebnis: Männlicher Patient, 48 Jahre alt, Kolon-Karzinom mit Infiltration des Os sacrum, stärkste neuropatische und somatische Schmerzen. Vorbehandlung mit hd oralem LM (Titration bis zu 300mg/die über 19 Tage). Bei weiterhin unzureichender Schmerzreduktion und Nebenwirkungen wie tiefe Sedierung Umstellung auf HM i.v. Signifikant geringere Sedierung unter Gabe von HM und weitaus besserer analgetischer Effekt. Schmerzintensität (NRS 0–10) in Ruhe/unter Belastung bei Aufnahme im Vergleich zum Zeitpunkt der Entlassung 10/10 vs. 1/2. Kontinuierliche Gabe von HM i.v. über 58 Tage. Entlassungsdosis 1200mg/die (=27000mg Morphin (oral)-Äquivalenzdosis (MÄD) bei einer Konversionsrate von Morphin:HM von 7,5:1). Zusätzlich erhielt der Patient bis zu 800mg HM/die i.v. (18000mg MÄD, d.i. bis zu 20 Boli à 40mg) zur Behandlung von Durchbruchschmerzen. Als Koanalgetika wurden verabreicht: 2×300mg Pregabalin, 1×25mg Amitriptylin und 3×100mg Flupirtin. Unter der Behandlung mit hd HM litt der Patient zu keiner Zeit unter opioidtypischen Nebenwirkungen.
Schlussfolgerung: Bei chronischem neuropathischen Schmerz bei Patienten, die mit unzureichendem analgetischem Erfolg und unter großer Belastung durch pharmakologische Nebenwirkungen eine OX- oder LM-Therapie erhielten, kann hd HM eine sichere und effiziente analgetische Behandlungsoption mit geringeren Nebenwirkungen sein.