Zeitschrift für Palliativmedizin 2010; 11 - V11_1
DOI: 10.1055/s-0030-1265355

Neue Richtlinien zur Balance in der nationalen Politik zur Kontrolle von Opioiden

S Jünger 1, WK Scholten 2, S Payne 3, T Lynch 3, A Greenwood 3, L Radbruch 1
  • 1Universitätsklinikum der RWTH Aachen, Klinik für Palliativmedizin, Aachen, Germany
  • 2World Health Organization, Team Leader Access to Controlled Medicines, Genf, Switzerland
  • 3Lancaster University, Division of Health Research, International Observatory on End of Life Care, Lancaster, United Kingdom

Hintergrund: Im Dezember 2009 startete ATOME (Access to Opioid Medication in Europe), ein EU-gefördertes Projekt mit dem Ziel, den Zugang zur Opioidtherapie in 12 ausgewählten europäischen Ländern zu verbessern. Ein Teilziel und zugleich Grundlage für alle weiteren Arbeitspakete ist die Revision der WHO-Richtlinien von 2000 zur Balance der Opioidkontrolle in der nationalen Politik.

Methoden: Ein Gremium aus 30 anerkannten Experten in den Bereichen Palliativversorgung, Public Health und Harm Reduction wurde zur Teilnahme an dem vierstufigen Revisionsprozess eingeladen. Im ersten Schritt wurde mittels einer strukturierten Checkliste überprüft, welche Aspekte einer Revision bedürfen. Anhand der Rückmeldungen wird eine vorläufige überarbeitete Fassung erstellt und im zweiten und dritten Schritt einer Konsens-Delphi-Prozedur unterzogen. Hierzu wird in einer Online-Befragung die Zustimmung mit den Kernaussagen der Richtlinien erfasst. Die Ergebnisse des Delphi-Verfahrens werden in einem durch die WHO organisierten Experten-Workshop abschließend bewertet.

Ergebnisse: Bei der vorläufigen Revision der WHO-Richtlinien aufgrund der Expertenrückmeldungen werden neben einer Überarbeitung der Form spezielle Aspekte, z.B. ein stärkerer Fokus auf die Menschenrechtsperspektive, ergänzt. Von der anschließenden Delphi-Befragung werden konkrete Hinweise zur endgültigen Formulierung der Richtlinien erwartet.

Schlussfolgerungen: Das vierstufige Revisionsverfahren durch ein multiprofessionelles Gremium hat eine fundierte Neuerung der WHO-Richtlinien zum Ergebnis. Hiermit wird der massiven Weiterentwicklung und dem enormen Wissenszuwachs im Bereich der Opioidtherapie seit der Erstausgabe der Richtlinien Rechnung getragen. Die überarbeitete Ausgabe inklusive der Checkliste zur nationalen Situationsanalyse stellt ein hochrelevantes Instrument für Entscheidungsträger zur Identifikation von Zugangsbarrieren – und letztlich zur Förderung des Zugangs – zu Opioiden in der Palliativversorgung dar.