Flug u Reisemed 2010; 17(4): 166-167
DOI: 10.1055/s-0030-1265278
Kasuistik

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Dyspnoe am Berg – Ursache einer unbehandelten hypertensiven Kardiopathie

Kai Schommer1 , Peter Bärtsch1
  • 1Sportmedizin, Innere Medizin VII, Medizinische Klinik (Krehl Klinik), Universitätsklinikum Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Peter Bärtsch)
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Publication Date:
16 August 2010 (online)

Anamnese

Ein 57-jähriger Mann ohne bis dahin bekannte internistische Vorerkrankungen war früher regelmäßig als Bergsteiger in den Alpen unterwegs und konnte unter anderem auf die Besteigung des Mont Blanc zurückblicken. Beschwerden in der Höhe waren nie aufgetreten. Nach 20-jähriger Abstinenz vom Bergsport, der von regelmäßigem Lauftraining im Tiefland (etwa 60 km/Woche) abgelöst wurde, zog es ihn 2008 wieder in die Höhe. Beim Versuch, den Elbrus zu besteigen, registrierte er nach 2 Übernachtungen auf 3500 m einen hohen Puls, beim nächtlichen Aufbruch fühlte er sich beim Hochsteigen schwach und bemerkte auf etwa 4800 m ein „Rasseln“ auf der Lunge. Nach Abstieg auf 2000 m war er wieder weitgehend beschwerdefrei. Zu diesem Zeitpunkt wurde diese Episode als Folge einer 3 Wochen zuvor durchgemachten Bronchitis interpretiert, sodass er für 2009 die Besteigung des Kilimandscharo avisierte.

Nach 6 Tagen im Aufstieg nahm er in einer Höhe von 4200 m abends auf Anraten eines Bergführers, dem er die Geschichte vom Elbrus erzählt hatte, trotz Beschwerdefreiheit eine Tablette mit dem Wirkstoff Tadalafil ein. Dennoch kam es in der darauffolgenden Nacht erneut zur Tachykardie, das Pulsoxymeter zeigte eine Sauerstoffsättigung von 55–65 % an und er bemerkte ein „Pfeifen auf der Lunge“. Während des weiteren Aufstiegs am kommenden Morgen musste er wegen eines starken Leistungsabfalls und Dyspnoe auf 4800 m umkehren und stieg bis auf Regenwaldhöhe ab, wo er wieder beschwerdefrei war.

Literatur

Korrespondenz

Dr. Kai Schommer

Im Neuenheimer Feld 410

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