Dialyse aktuell 2010; 14(5): 270-276
DOI: 10.1055/s-0030-1263078
Dialyse

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Haben Dialysepatienten ein erhöhtes Armutsrisiko? – Ergebnisse einer deutschlandweiten Befragung

Are dialysis patients more liable to the risk of poverty? – Results of a Germany-wide scrutinySabine Aßmann1 , Friedrich Balck1
  • 1Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden (kommissarische Leitung: PD Dr. rer. medic. Hendrik Berth)
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Publication Date:
22 July 2010 (online)

Armut ist in der Bundesrepublik Deutschland ein gleichbleibend aktuelles Thema. Vielfältige Untersuchungen belegen, dass Unterversorgung in Einkommen und Arbeit einerseits und chronische Krankheit andererseits in engem Zusammenhang stehen. Unsere Untersuchung, die eine Patientengruppe betrachtet, deren Lebenslage durch besondere körperliche und soziale Belastungen gekennzeichnet ist, fragt nach sozialen Folgen chronischer Niereninsuffizienz. Von den befragten Patienten lebten 60 % unterhalb der Armutsgrenze. Als wesentlich für die Verortung oberhalb bzw. unterhalb der Armutsgrenze erwiesen sich die Anzahl der Personen im Haushalt und das Alter der Probanden. Haushalte mit mehr als 2 Personen hatten ein signifikant höheres Risiko, unter die Armutsgrenze zu fallen. Personen im Alter von unter 50 Jahren haben ein signifikant höheres Risiko zu verarmen als 50-jährige und Ältere. Patienten, die mit mehreren Personen im Haushalt leben, befinden sich meist im jüngeren und mittleren Erwachsenenalter und haben Versorgungspflichten gegenüber Kindern oder Ehepartnern. Ein höheres Armutsrisiko für jüngere Patienten ergibt sich auch daraus, dass sie zu einem biografisch früheren Zeitpunkt in die Dialyse eintreten und zumeist eine (niedrigere) Erwerbsunfähigkeitsrente beziehen. Präventionsrelevant erscheint hierbei besonders die Einflussnahme des Arztes auf eine mögliche weitere Berufstätigkeit von Dialysepatienten.

Poverty remains an update topic all over Germany. Large-scale probes have shown that lack of adequate income and work are closely related to chronic disease. Our inquiry was directed at groups of patients whose everyday life was seriously impaired by social and health inadequacies with particular reference to the social consequences of chronic renal insufficiency. 60 percent of the patients included in our inquiry lived below the poverty level, an essential factor for this classification being the number of persons permanently present in the household and their age. Households with more than 2 inhabitants and persons less than 50 years old were significantly higher at risk of being classified below the poverty level. Patients living with several others in one household are mostly middle-aged and must financially care for children or marriage partners. A higher poverty risk for younger patients is also likely since they have to start dialysis treatment earlier and are in most cases entitled to a (lower) inability-to-work pension. Relevant for preventing early poverty especially appears to be the doctor's influence to promote the dialysis patient's further gainful employment activities.

Literatur

  • 1 Statistische Bundesamt. .Leben in Europa.. Wiesbaden: Destatis; 2009
  • 2 Langnäse K, Mast M, Müller M.. Social class differences in overweight of prepubertal children in northwest Germany.  Int J Obes. 2002;  26 566-572
  • 3 Mielck A.. Soziale Ungleichheit und Gesundheit. Empirische Ergebnisse, Erklärungsansätze, Interventionsmöglichkeiten.. Bern: Huber; 2000
  • 4 Caskey FJ, Roderick P, Steenkamp R et al.. Social deprivation and survival on renal replacement therapy in England and Wales.  Kidney Int. 2006;  70 2134-2140
  • 5 Balck F.. Was bedeutet Lebensqualität aus medizinischer Sicht?.  Dialysepatient. 2002;  11 6-8
  • 6 Franke HG, Reimer J, Hessel A et al.. Lebensqualitätsforschung am chronisch Nierenkranken unter besonderer Berücksichtigung der psychischen Belastungen.  Z Med Psychol. 2002;  11 113-120
  • 7 Statistisches Bundesamt. .Datenreport 2006. Zahlen und Fakten über die Bundesrepublik Deutschland.. Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung; 2006
  • 8 Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS). Dritter Armuts- und Reichtumsbericht.. Berlin; 2008

Korrespondenz

Dr. Sabine Aßmann

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der Technischen Universität Dresden Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie

Fetscherstraße 74

01307 Dresden

Email: sabine.assmann@mailbox.tu-dresden.de