Frauenheilkunde up2date 2010; 4(5): 287-302
DOI: 10.1055/s-0030-1262599
Geburtshilfe und Perinatalmedizin

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart ˙ New York

Die Embryonalperiode aus sonografischer Sicht

F. Voigt, F. Faschingbauer, M. W. Beckmann, T. W. Goecke
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Publication Date:
25 October 2010 (online)

Kernaussagen

Schwangere Frauen und ihre Partner wollen heute häufig weit vor dem Termin für das Ersttrimestersceening von ihrem betreuenden Gynäkologen wissen, ob mit der Schwangerschaft alles in Ordnung ist. Mit den Methoden des modernen Ultraschalls ist dies durchaus möglich. So ist bereits ab der 4. SSW der Gestationssack bzw. die Chorionhöhle als erster direkter Nachweis einer Schwangerschaft darstellbar. Die Chorionhöhle zeigt sich als Rundstruktur mit deutlichem Randsaum in der Dezidua und sollte ab einem hCG-Wert von 800–1 000 IU / l sichtbar sein. Es folgen im weiteren Verlauf ungefähr ab der 7. SSW das „Double Sac Sign” sowie das Kometenzeichen als weitere Zeichen für die regelrechte Anlage der Frühschwangerschaft. Mit 5 SSW findet sich im Ultraschall der Dottersack und frühestens ab diesem Zeitraum auch die Embryonalanlage, deren kraniokaudale Differenzierung ab der 7. SSW deutlich wird. Ebenfalls in diesem frühen Stadium (SSL von 5–6 mm) lässt sich bereits eine positive Herzaktion nachweisen. Zwischen der 8.–12. SSW (bis ca. 60 mm SSL) dient die Messung der SSL zur Bestimmung oder Überprüfung des Entbindungstermins (ET) und sollte danach auch nicht mehr durch spätere Messungen korrigiert werden. Als sonografische Landmarken der Organentwicklung dienen das Gehirn mit erster Nachweisbarkeit in der 7. SSW, die Extremitäten (Knospen ab 8 SSW, Hand- und Fußplatten ab 9 SSW) sowie die Darstellung der physiologischen Omphalozele zum Ende der 9. SSW. In Kenntnis dieser normalen Sonoanatomie der Embryonalperiode gibt es eine Reihe von morphologischen Hinweisen im Ultraschall, die auf eine nicht intakte Schwangerschaft schließen lassen, so z. B. Form und Größe von Chorionhöhle oder Dottersack, eine embryonale Bradykardie sowie Diskrepanzen der SSL, die nicht dem Gestationsalter entsprechen. In diesen Fällen deutet sich eine schlechte Prognose der Schwangerschaft an. Zudem gehen einige Chromosomenanomalien mit einem bereits in der Embryonalperiode gestörten Wachstum einher.

Literatur

F. Voigt

Frauenklinik des Universitätsklinikum Erlangen

Universitätsstr. 21–23

91054 Erlangen

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