Frauenheilkunde up2date 2010; 4(5): 343-358
DOI: 10.1055/s-0030-1262589
Geburtshilfe und Perinatalmedizin

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart ˙ New York

Geburtshilflicher Ultraschall ab der 25. SSW

R. Schmitz, J. Steinhard
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
25. Oktober 2010 (online)

Kernaussagen

Ziel der Ultraschalluntersuchung im 3. Trimenon ist die frühzeitige Erkennung einer fetalen Gefährdung im weiteren Schwangerschaftsverlauf. Die Indikationen und Inhalte dieser Sonografie werden durch die Mutterschaftsrichtlinien geregelt. Zusätzlich können die Qualitätsanforderungen des Ultraschallscreenings an Stufe-I-Untersucher hier als Orientierung und Leistungsmaßstab gelten. Neben der systematischen Untersuchung des Kindes mit Beurteilung der Biometrie, der Fruchtwassermenge, der Plazenta und der Nabelschnur wird im Risikokollektiv zusätzlich eine Dopplersonografie empfohlen. Bei entsprechender Indikation wird zusätzlich eine Zervixsonografie durchgeführt. Folgende Empfehlungen kommen zusätzlich infrage:

  • Bei V. a. fetale Fehlbildungen oder bei anderen Indikationen sollte eine Ultraschalluntersuchung auf Qualitätsniveau DEGUM-Stufe II bzw. III empfohlen werden.

  • Die Fruchtwassermenge lässt sich mit dem Fruchtwasserindex oder dem größten Fruchtwasserdepot abschätzen.

  • Die physiologische Zervixlänge vor der 32. Schwangerschaftswoche beträgt mindestens 25 mm (Trichterbildung ist ohne Bedeutung). Die Messung wird nur bei Indikation empfohlen.

  • Bei Placenta praevia oder Schwangeren mit voroperiertem Uterus sollte die Implantationstiefe der Plazenta sonografisch untersucht werden.

  • Insbesondere bei Schwangeren mit Placenta praevia oder Implantationsstörungen sowie bei Feten mit singulärer Nabelschnurarterie sollte der Nabelschnuransatz untersucht werden, um Vasa praevia auszuschließen.

  • Abdomenumfang und fetale Gewichtsschätzung sind als Prädiktor für eine Makrosomie gleichwertig.

  • Die Diagnosestellung SGA, abnormal kleines Kind oder IUGR erfolgt mittels Biometrie, Sonomorphologie und Dopplersonografie.

  • Die Screening-Doppleruntersuchung der A. umbilicalis ist nur im Risikokollektiv indiziert.

  • Der Stellenwert des biophysikalischen Profils ist unklar; ein Nutzen für das biophysikalische Profil konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

  • Die Auswirkungen des Ultraschallscreenings im 3. Trimenon sollten kritisch beurteilt werden (Verbesserung des perinatalen Ergebnisses versus Gefährdung durch iatrogene Frühgeburtlichkeit).

Literatur

Dr. med. R. Schmitz

Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe · Universitätsklinikum Münster

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