Klin Padiatr 2010; 222 - Pflege_PO_6
DOI: 10.1055/s-0030-1261653

NIDCAP als Alternative Schmerztherapie bei Frühgeburten

K Posch 1
  • 1Neonatologie Intensiv, Universitätskinderklinik Graz, Graz, Österreich

Einleitung: In den letzten Jahren entstanden zunehmend neue Pflegekonzepte im Bereich der Neonatologie, begründet dadurch, dass die Frühgeburtenrate zusehens steigt. All diese Konzepte, wie auch das Newborn Individualized Developmental Care and Assessment Program verfolgen ein gemeinsames Ziel, nämlich jenes, das Outcome der Kleinsten zu verbessern. Methode und Fragestellung: Im Rahmen meiner einjährigen Weiterbildung zur Schmerzmentorin an der Akademie für Sonderausbildungen am Grazer Uniklinikum, verfasste ich eine Abschlussarbeit, die sich mit der Frage auseinandersetzt, ob NIDCAP als alternative Schmerztherapie/prophylaxe mitwirken kann und wie die praktische Umsetzung aussieht. Die Überlebensrate der extremen Frühgeburten verbessert sich stetig aufgrund der rasanten medikamentösen und medizinisch-technischen Entwicklung. Allerdings ergeben sich neue Probleme, die vor allem die Langzeitentwicklung der Kinder betrifft. Studien zeigen, dass Schmerzen und Stress das Verhalten der Babys in der stationären Frühphase wesentlich beeinflussen. Vor allem betroffen zeigt sich das ZNS. Bis zu 766 Schmerzreize werden bei einem Aufenthalt gesetzt! Frühgeburten, die unter einer NIDCAP betonten Pflege geführt werden, haben signifikant weniger Stress und vor allem weniger Schmerz zu erleiden. Die Umsetzung von NIDCAP erfordert das Zusammenspiel von APIB (Assessment of Preterm Infants Behaviour), also dem Erkennen/Erfassen der Beeinträchtigung des Patienten und seiner Ressourcen, als auch dem Begriff Developmental Care. Developmental Care beinhaltet die Stressminimierung, die Förderung der individuellen Fähigkeiten des Kindes, die Schmerzreduktion, die optimale Umgebungsgestaltung, die Lagerung und das Einbeziehen der Eltern in die Pflege. Zur alternativen Schmerzbehandlung arbeiten wir auf unserer Station mit Unterstützung der Homoöpathie (Verabreichung von Globuli, Anwendung von Bachblütencremen/tropfen). Zu den genannten Punkten habe ich Beispiele aus der Praxis von unserer Station ausgearbeitet. Zusammenfassung: NIDCAP stellt den Patienten in den Mittelpunkt. Es ermöglicht pflegerische und medizinische Maßnahmen so zu legen, dass das Kind mitbestimmen kann und in seiner Individualität bestärkt wird. Schmerz und Stress werden durch Minimierung der Intensivmedizin auf das Notwendigste und Maximierung der Zuwendung bereits oftmals vermieden! Die praktische Umsetzung erfordert mit Sicherheit hohe Anfangskosten für etwaige räumliche Umstrukturierungen oder Schulungen des Personals, insgesamt gesehen überwiegen aber die Vorteile einer NIDCAP betonten Pflege (auch in wirtschaftlicher Hinsicht).