Klin Padiatr 2010; 222 - GNPI_PO_128
DOI: 10.1055/s-0030-1261595

In utero Nikotinexposition und Atemregulation: Polysomnographische Vergleichsstudie bei 118 Säuglingen

K Heimann 1, P Vaeßen 1, G Winkler 1, T Peschgens 1, N Heussen 1, T Orlikowsky 1, TG Wenzl 1
  • 1Kinderklinik, Med. Einrichtungen der RWTH Aachen, Aachen

Einleitung: Die in utero Nikotinexposition erhöht signifikant das Risiko für einen plötzlichen Kindstod. Inwieweit hierbei die Störung der Atemregulation eine Rolle spielt, haben nur wenige Studien untersucht. Ziel: Systematischer Vergleich von Atemregulationsstörungen in utero nikotinexponierter vs. nicht-nikotinexponierter Säuglinge. Patienten und Methoden: Bei polysomnographisch untersuchten Säuglingen wurden folgende Parameter erfasst: Herzfrequenz, EKG, Atemfrequenz, Respirogramm, oronasaler Flow, Gehirnströme [2-Kanal-EEG], Okulomotorik, Sauerstoffsättigung [Pulsoxymeter 515A, Novametrix, USA], Geräusche [Mikrophon]. Datenaufzeichnung und -auswertung mittels Software Alice 3® [Healthdyne Technologies, USA], Registrierung von Apnoen nach Seufzern (Anzahl/h); Gesamtdauer (%); durchschnittliche Dauer (s), zentralen und obstruktiven Apnoen [Anzahl/h;Gesamtdauer (%)]; durchschnittliche Dauer (s), periodischer Atmung (Gesamtdauer %). Alter zum Zeitpunkt der Untersuchung (Lebenswochen ≤10, ≤20, ≥20). Anamnestisch Nikotinexposition (Zigaretten/d), Einteilung in 3 Gruppen: Gruppe I: Nichtraucher, Gruppe II <10 Zigaretten/d, Gruppe III ≥10 Zigaretten/d. Auswertung mittels linearer und logistischer Regression sowie Wilcoxon-Test. Ergebnisse: Gesamtkollektiv 118 Sgl. (68ml.), Nikotinexponierte Säuglinge 32 (16ml.), Mittlerer anamnestischer Nikotinkonsum 12 Zig/d (SD 7), Alter zum Untersuchungszeitpunkt 17 Wochen (SD 17). Nicht-nikotinexponierte Säuglinge 86 (52ml.). Alter zum Untersuchungszeitpunkt 14 Wochen (SD 13). Bei Patienten ≤10 Wochen signifikante Erhöhung der Gesamtdauer periodische Atmung bei nikotinexponierten vs. nicht-nikotinexponierten Säuglingen [4% vs. 1,5%; p<0,05]. Signifikante Erhöhung der durchschnittlichen Dauer und der Länge der obstruktiven Apnoe bei Patienten <20 Wochen nikotinexponierte vs. nicht-nikotinexponierten Säuglingen [jeweils 5s vs. 2s; p<0,05]. Vergleich Auftreten obstruktive Apnoe Gruppe I und III: Signifikante Zunahme der Wahrscheinlichkeit um mehr als 25% [p<0,05]. Schlussfolgerung: Neben den bekannten Nebenwirkungen kommt es bei in utero nikotinexponierten Kindern signifikant zu Atemregulationsstörungen in Form von obstruktiven Apnoen. In unserer Untersuchung lag die kritische Größe bei 10 Zigaretten/d.