Klin Padiatr 2010; 222 - GNPI_PO_118
DOI: 10.1055/s-0030-1261585

Zur Bedeutung geburtsassoziierter Faktoren für die Entstehung intraventrikulärer Blutungen bei Frühgeborenen

I Zakaraia 1, C Vogtmann 1, M Knüpfer 1, H Stepan 2, U Thome 1
  • 1Neonatologie und Neugeborenenchirurgie, Universitätsklinik für Kinder und Jugendliche, Leipzig
  • 2Geburtsmedizin, Universitätsfrauenklinik Leipzig, Leipzig

Hintergrund: Neben dem Grad der Unreife als Prädispositionsfaktor sind Hypoxie-Ischämie, floride Infektionen und mechanische Faktoren (zerebrale Traumata) die Hauptursachen der intraventrikulären Blutung (IVH). Für einen risikoadjustierten Vergleich interklinischer Ergebnisse im Hinblick auf die Häufigkeit der IVH ist die Kenntnis geburtshilflich relevanter Faktoren von Bedeutung. Daher wurden zusammengeführte geburtshilflich-neonatologische Daten analysiert, um den geburtshilflichen, speziell den geburtsmechanischen Faktor für die Entstehung der IVH zu erfassen. Methodik: Auf der Datenbasis der geburtshilflichen und neonatologischen Krankenblattdokumentation von 148 (2 Ausschlüsse wegen Fehlbildung) Einlings- Frühgeborenen <1500g und 32 Schwangerschaftswochen der Jahre 2006 bis Juli 2008 werden insgesamt 40 Variablen/Risikofaktoren in ihrer Beziehung zur IVH aller Schweregrade uni- und multivariat analysiert, 5 Todesfälle eingeschlossen). Aus den Ergebnissen wird eine neue Variable definiert, die den Geburtsverlauf als „kopfschonend „ bzw „nicht kopfschonend“ beschreibt und sich auf geburtsmechanisch relevante Befunde (Muttermundsweite, Blasensprung, Wehen, Apgar, arteriellen Nabelschnur-pH) stützt. Ergebnisse: Bei 8 von 90 „kopfschonend“ geborenen Kindern wurde eine IVH (6x Grad I, 2x Grad II) nachgewiesen. Demgegenüber hatten 25 von 58 der „nicht kopfschonend“ geborenen Kinder (12x Grad I, 8x Grad II, 5x Grad III) eine IVH (ODDS -Ratio 6,9, χ2-Test p<0,001). Die Kinder <28 SSW waren häufiger“ nicht kopfschonend“ geboren (34 vs. 30) gegenüber den Kindern >27 SSW (24 vs. 60) und wiesen häufiger Hirnblutungen auf (18 vs. 4 gegenüber 7 vs. 4). Die univariate Regressionsanalyse ergab signifikante Beziehungen zwischen IVH und Gestationsalter, Apgar 1min (nicht für den Apgar 5min), Amnioninfektion bzw. Frühsepsis, Muttermundsweite bei Entscheidung zu Kaiserschnitt und Blasensprung sowie zervixwirksamen Wehen. Nicht signifikant korrelierten Hinweise auf intrauterine Hypoxie und arterieller Nabelschnur-pH und Geburtsmodus. Spontan vaginal geborene Kinder waren nicht benachteiligt. Bei multivariater Analyse erwiesen sich Gestationsalter und Apgar 1min und Muttermundsweite als entscheidende Variable (p<0,02). Diskussion: Im Vergleich mit den Ergebnissen der landesweiten Peri- und Neonatalerhebung liegen die Anteile „ nicht kopfschonender“ Geburten in dieser Studie mit 33% gegenüber 67% im Landesdurchschnitt niedriger, was die niedrigere Hirnblutungsrate von 20,8% gegenüber 44,9% im Landesdurchschnitt mit erklären könnte.

Schlussfolgerung: Zu den wesentlichen pathogenetischen Ursachen bei der Auslösung intraventrikulärer Blutungen gehören geburtsmechanische Faktoren, die durch eine kopfschonende Geburtsleitung zu beeinflussen sind, was zur Vermeidung geburtsassoziierter Hirnblutungen bei Frühgeborenen beitragen kann.