Klin Padiatr 2010; 222 - GNPI_PO_43
DOI: 10.1055/s-0030-1261505

Ist das pulmonale Outcome von Frühgeborenen <1500g mit RDS abhängig von der Flüssigkeitszufuhr in der ersten Lebenwoche?

A Kirsch 1, J Möller 1
  • 1Kinderklinik, Kliniken d. Stadt Saarbrücken, Saarbrücken

Beim ARDS Erwachsener gibt es mehrere Studien, die zeigen, dass Patienten mit initial niedriger Flüssigkeitszufuhr ein besseres pulmonales Outcome haben. Für das RDS gibt es Multivarianzanalysen, die einen vergleichbaren Einfluss der Flüssigkeitszufuhr der ersten Lebenswoche auf die BPD Rate zeigen. Unsere Studie soll einen Beitrag zur Evaluation verschiedener Flüssigkeitsregimes für das pulmonale Outcome Frühgeborener bringen.

Methodik: In einer retrospektiven Studie wurden über 4 Jahre 141 VLBW Kinder, davon 43 ELBW bezüglich respiratorischer Outcomedaten wie BPD, Apnoe und Bradycardiehäufigkeit, O2-Bedarf und Atemfrequenz mit 28 Tagen, in der 36. pc. Woche und bei Entlassung, sowie Beatmungs- und CPAP Dauer bestimmt. Verglichen wurden jeweils nach VLBW und ELBW getrennt je zwei Gruppen mit einer Flüssigkeitszufuhr unter/über dem Median der ersten 3 Tage, des 4.-7. Tages und der ersten Lebenwoche. Chi-Quadrattest und Varianzanalysen wurden als statistische Verfahren benutzt.

Ergebnisse: Wir konnten signifikante Einflüsse der Flüssigkeitszufuhr in der ersten Lebenwoche mit respiratorischen Outcomedaten zeigen. Der Median der Gesamtflüssigkeitszufuhr lag für Kinder unter 1000g bei 114ml/kg/Tag, für die Kinder zwischen 1000–1500g bei 112ml/kg/Tag. Für ELBW Kinder war der Unterschied signifikant bezüglich Beatmungs und CPAP- Notwendigkeit und dauer, sowie dem Mean der Atemfrequenz und Sauerstoffzufuhr mit 28 Tagen. Für die schwereren Kinder war nur der FiO2 mit 28 Tagen unterschiedlich. Bei der BPD zeigte sich zu allen untersuchten Zeitpunkten nur ein Trend zu einer niedrigeren Rate bei der Niedrigflüssigkeitsgruppe. Morbiditätscharakteristika deuten an, dass die Hochflüssigkeitsgruppe kränker war.

Schlussfolgerung: Auch in der „real life situation“ eines PNZ zeigt diese Analyse einen Nachteil hoher Flüssigkeitszufuhr für die respiratorische Situation bei ELBW im Alter von 28 Tagen, insbesondere ist die Dauer der erforderlichen Atemhilfe länger. Einflussgrößen, die Kinder kranker machen und einen höheren Flüssigkeitsbedarf bedingen, liessen sich nur prospektiv ermitteln und quantifizieren.