Klin Padiatr 2010; 222 - GNPI_FV_31
DOI: 10.1055/s-0030-1261337

Vergleich dreier Handbeatmungsgeräte mit Manometer bezüglich deren Druckapplikation in der simulierten Erstversorgung von Frühgeborenen

M Kelm 1, J Hartung 1, G Schmalisch 1, H Proquitte 1, CC Röhr 1
  • 1Universitätsklinikum Charité Med. Fakultät d. Humboldt-Univ., Berlin

Hintergrund: Um beatmungsinduzierte Lungenschäden bei Neugeborenen vorzubeugen gilt es, inadäquat hohe inspiratorische Spitzendrücke (PIP) und Atemzugvolumina (Vt) zu vermeiden. Frage war, wie zuverlässig mittels verschiedener Handbeatmungsgeräte EndFragment mit Manometer PIP und Vt appliziert werden. Methodik: Eine intubierte Modellpuppe (entsprechend 1kg Frühchen) wurde von 34 erfahrenen Anwendern mit zwei T-Stück-Beatmungsgeräten (Perivent®, Fa. Fisher & Paykel; Panda®, Fa. General Electrics) sowie einem Beatmungsbeutel mit angeschlossenem Druckmanometer (Mark IV Baby Resuscitator, Fa. Ambu). beatmet. Zielvorgabe war es, einen inspiratorischen Spitzendruck (PIP) von 20 cmH2O zu applizieren. Druckmessung und -aufzeichnung erfolgte mittels Pneumotachograph (CO2SMO+, Fa. Novametrix). Ergebnisse: Der mediane PIP (Interquartilsabstand, IQR) betrug 21 (1,5)cm H2O für den Beatmungsbeutel + Manometer, 20,5 (0,5) cmH2O für den Perivent®, 25,7 (1,15) cmH2O für den Panda®, Unterschied zwischen den Systemen statistisch signifikant (p<0,001). In der Post-hoc-Analyse der PIPs bestehen zwischen Beatmungsbeutel und Perivent (p=0,001), Beatmungsbeutel und Panda (p<0,001) und zwischen beiden T-Stück-Systemen (p<0,001) jeweils signifikante Unterschiede. Das mediane Vt (IQR) betrug 4,2 (0,8)ml für den Beatmungsbeutel mit Manometer, 3,5 (0,4)ml für den Perivent und 3,7 (0,5)ml für den Panda, hier ebenfalls statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Systemen (p<0,001). In der Post-hoc-Analyse der Vts bestehen zwischen Beatmungsbeutel und Perivent (p<0,001), Beatmungsbeutel und Panda (p=0,001) und zwischen beiden T-Stück-Systemen (p=0,002) jeweils signifikante Unterschiede. Die medianen Atemfrequenzen (IQR) lagen bei 52 (32)min-1 (Beatmungsbeutel), 51 (19,5)min-1 (Perivent®) und 53 (24)min-1 (Panda®), Unterschied zwischen den Systemen nicht signifikant. Diskussion: In der neonatalen Erstversorgung eingesetzte Handbeatmungsgeräte mit integriertem Druckmanometer unterscheiden sich signifikant hinsichtlich applizierter PIP und Vt. Während die interindividuelle Streuung der Drücke beim selbst-entfaltenden Beatmungsbeutel am größten ist, wurden mit dem Panda®-System die höchsten Druckspitzen erreicht. Das Vt war mit dem Beatmungsbeutel signifikant höher als mit beiden T-Stück-Systemen. Gerätespezifische Ventilmechanismen sind möglicher Weise für die signifikanten Druckunterschiede verantwortlich. Anwender sollten bei der Benutzung geräteintegrierter Manometer mit dem Geräteprofil des jeweils eingesetzten Beatmungssystems vertraut sein.