Klin Padiatr 2010; 222 - GNPI_FV_17
DOI: 10.1055/s-0030-1261317

Surfactant unter nCPAP-unterstützter Spontanatmung: erste Ergebnisse zum kognitiven und neuromotorischen Outcome

M Porath 1, D Wendrich 1, L Korp 1, A Kribs 1, B Roth 1
  • 1Univ.-Kinderklinik, Köln

Hintergrund: Ende 2001 wurde an unserem Zentrum eine Methode entwickelt, Surfactant bei mit nCPAP spontan atmenden Frühgeborenen, die klinische Zeichen eines Atemnotsyndroms zeigen, zu verabreichen. Im Vergleich zu einem historischen Kontrollzeitraum (Kontrollkohorte, KK), in dem die Patienten für eine Surfactantgabe intubiert und beatmet wurden, konnte im Zeitraum nach Einführung der Methode (Interventionskohorte, IK) eine Abnahme der Mortalität und Kurzzeitmorbidität bei Kindern mit einem Geburtsgewicht unter 1500g (VLBW-Kinder) gezeigt werden [Kribs et al., Paediatr Anaesth 2007; 17: 364–9]. Fragestellung: Unterscheiden sich kognitives und neuromotorisches Outcome der beiden Kohorten zu Beginn des Schulalters? Methode: In die Studie eingeschlossen wurden 173 überlebende VLBW-Kindern (von insgesamt 195), die im Zeitraum 0 (01.01.2001–15.11.2001; KK, n=77) und im Zeitraum 1 (16.11.2001–31.12.2002; IK, n=96) in der Universitätskinderklinik Köln behandelt worden waren. Im Alter von 6 Jahren wurde die kognitive Entwicklung dieser Kinder anhand der Kaufman Assessment Battery for Children (K-ABC) untersucht und es erfolgte eine standardisierte Untersuchung der neuromotorischen Funktionen mit einem modifizierten Touwen-Test. Die statistische Auswertung erfolgte mittels SSPS 16.0 mit Chi2- und T-test. Ergebnisse: In der IK wurden 69 (72%) und in der KK 41 (53%) der Kinder mit einem mittleren Alter von 6 5/12 Jahren nachuntersucht. Bezüglich Gestationsalter (GA), Geburtsgewicht (GG), Apgar-Werten und dem Auftreten von IVH III-IV° oder PVL unterschieden sich weder Gesamt-IK und -KK noch die Kinder mit Follow-up aus IK und KK (bei Nachuntersuchten im Mittel GA 27,5 Wochen, GG 977g, Apgar 6/8/9). Das kognitive Outcome der beiden Gruppen sowie das der innerhalb der IK mit der neuen Methode behandelten Kinder unterschieden sich mit einem IQ-äquivalenten SIF-Mittelwert von jeweils 95 nicht (SD: IK=15, KK=18, neue Methode=14). Hinsichtlich der neuromotorischen Entwicklung bestanden signifikante Unterschiede: in der IK wurden 74% der Kinder (vs. 46% KK, p<0,05) als klinisch unauffällig klassifiziert, bei 6% bestand eine motorische Retardierung (vs. 23%) und bei 17% eine geringe neuromotorische Funktionsstörung (vs. 21%). Kinder mit einer Zerebralparese (3% IK vs. 8% KK) wurden als neurologisch auffällig klassifiziert. Die mit der neuen Methode behandelten Kinder unterschieden sich nicht signifikant von der Gesamt-IK. Schlussfolgerung: Nach Einführung einer Strategie zur intratrachealen Surfactant-Applikation unter nCPAP-unterstützter Spontanatmung wurde trotz Steigerung der Überlebensrate in der IK im Vergleich zur KK eine Verbesserung des neuromotorischen Outcome und ein gleich gutes kognitiven Outcome zu Beginn des Schulalters beobachtet. Dies könnte durch ein geringeres biologisches Risiko durch den verminderten Einsatz intensivmedizinischer Maßnahmen bedingt sein.