Klin Padiatr 2010; 222 - GNPI_FV_12
DOI: 10.1055/s-0030-1261312

Charakterisierung der Lungenmechanik nach fetaler Trachealokklusion bei neugeborenen Kaninchen mit Lungenhypoplasie durch Zwerchfellhernie

S Herber-Jonat 1, A Vuckovic 2, IM Rühl 1, J Jani 3, AW Flemmer 1
  • 1Perinatalzentrum Großhadern der LMU-München, München
  • 2Université Libre de Bruxelles- Campus Erasme – CP, Laboratoire de Physiologie et de Physiopathologie, Bruxelles, Belgien
  • 3Service de Gynecologie-Obstetrique, Centre Hospitalier Universitaire Brugmann, Bruxelles, Belgien

Hintergrund: Die fetale, passagere Trachealokklusion (TO) wird derzeit als Therapieoption der schweren kongenitalen Zwerchfellhernie (CDH) diskutiert und studiert. Die Effekte der TO in Bezug auf die intrauterine Lungenentwicklung, postnatale Lungenmechanik und die Überlebenswahrscheinlichkeit der therapierten Neugeborenen werden jedoch kontrovers diskutiert. Fragestellung: Verbessert die Trachealokklusion die mechanischen Eigenschaften der Lunge im Kaninchenmodell der induzierten Lungenhypoplasie durch Zwerchfellhernie? Material und Methode: An Gestationstag 23/31 wurden insgesamt drei Feten pro Muttertier im Rahmen einer EXIT-Prozedur einer Thorakotomie unterzogen. Randomisiert erfolgte die Anlage einer linksseitigen Hernie (CDH) bzw. keiner Hernie (SHAM-CDH). Am Gestationstag 28/31 wurden die voroperierten Feten randomisiert in einer zweiten EXIT-Prozedur tracheal okkludiert (TO) bzw. schein-okkludiert (SHAM-TO). Am Termin wurden operierte sowie nicht operierter Feten (NOP) per Sectionem entbunden und über 30 Minuten volumenkontrolliert beatmet. Während des Beatmungszeitraums wurden konventionelle Lungenfunktionsparameter (dynamische und statische Compliance (C) und Resistance (R), totale Lungenkapazität (TLC)) und Parameter der Lungenimpedanz durch forcierte Oszillation (Newton Resistance (RN), Gewebedämpfung (G), Gewebelastizität (H)) in fünfminütigem Abstand ermittelt. Am Ende des Versuchs erfolgte die Bestimmung der „lung to body weight ratio“ (LBWR) und das Lungengewebe wurde für molekularbiologische und histologische Untersuchungen aufgearbeitet. Ergebnisse: Zum Zeitpunkt der Geburt bestand kein Unterschied im Geburtsgewicht der Tiere der 5 Versuchsgruppen (CDH/TO, CDH/SHAM-TO, SHAM-CDH/TO, SHAM-CDH/SHAM-TO, NOP). TO führte zu einer signifikanten Zunahme der LBWR bei den CDH, als auch SHAM-CDH Tieren im Vergleich zu den nicht trachealokkludierten Feten und NOP. Die Ergebnisse der Lungenmechanik nach 30min sind in der folgenden Tabelle dargestellt (Mittelwert, *p<0,05 im Vergleich zu NOP).

30min

TLC/BW

(µl/g)

Cst/BW [ml/cmH2O*kg]

Rn [cmH2O*s/ml]

G

[cmH2O/ml]

H

[cmH2O/ml]

CDH+TO (n=6)

48,2

1,50

0,25

5,52*

29,23*

CDH+SHAM-TO (n=6)

31,1

1,23

0,17

4,55

19,10

SHAM-CDH+TO (n=5)

48,2

1,82

0,18

4,51

23,97

SHAM-CDH+SHAM-TO (n=8)

44,8

1,80

0,16

4,06

14,13

non-operated control (n=16)

41,9

1,91

0,16

2,76

9,87

Zusammenfassung: Im Kaninchenmodell der induzierten Lungenhypoplasie durch Zwerchfellhernie führt die TO zu einer Steigerung des Lungenvolumens und der TLC. Allerdings lassen unsere Ergebnisse einen negativen Effekt auf die Gewebskräfte vermute.