AHZ 2011; 256(1): 26-27
DOI: 10.1055/s-0030-1257576
Personalia
© Karl F. Haug Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG

Nachruf zum frühen Tod von Dr. Alfons Geukens

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Publication Date:
02 February 2011 (online)

Die Homöopathie hätte ihn länger gebraucht, den für die europäische Wiederbelebung der Homöopathie bedeutendsten Lehrer. Die Zahl von Teilnehmern seiner Seminare seit Mitte der 80er-Jahre ist immens, seine z. T. 5-tägigen Videoseminare füllten ganze Hörsäle, allein in Deutschland waren es mehr als 100 Fortbildungsveranstaltungen – ohne ihn hätte es den hiesigen Homöopathie-Boom der letzten Jahrzehnte wohl kaum gegeben.

Geboren am 30. September 1944 im flämischen Balen, macht Alfons Geukens nach seiner Schulzeit im altsprachlichen Gymnasium in St. Truiden eine Ausbildung zum Krankenpfleger und geht nach einer Fortbildung für Tropenmedizin für 3 Jahre Entwicklungshilfe nach Haiti. Nach seinem Medizinstudium an der Katholischen Universität Leuven ist er für 2 Jahre ärztlich in Zaire tätig, v. a. chirurgisch sowie für ein Tuberkulose-Projekt. 1979, reich an Erfahrungen zurück in Belgien, arbeitet Geukens zunächst als Hausarzt. Unzufrieden mit seiner schulmedizinischen Behandlung von Patienten mit z. B. Migräne, Asthma, Heufieber hört er von Behandlungserfolgen durch Homöopathie, kauft sich das Kent'sche Repertorium, die Kent'sche Materia medica und sammelt erste Erfahrungen mit Akutfällen. Er hört von George Vithoulkas in Griechenland, studiert bei ihm, fährt jedoch in der unterrichtsfreien Zeit immer wieder nach Belgien, setzt Gelerntes gleich praktisch um, erhält 1985 das Diplom der „Athener Schule für homöopathische Medizin”. Bereits 1982 beginnt er in Hechtel ein großes „Centrum voor Klassieke Homeopathie” aufzubauen und bildet dort im Laufe der Zeit im „Clinical Training Center for Classical Homeopathy” weit über 50 Ärzte unterschiedlicher Nationalität mehrjährig praktisch aus. Zeitweilig sind 16 ärztliche Behandler unter seiner Supervisoren-Anleitung mit 24-stündiger Bereitschaft tätig und es kommen täglich 200–250 Patienten ins Hechteler Centrum. 1994 gründet er mit dem Ziel, die Homöopathie noch weiter zu verbreiten, die „International School for Classical Homeopathy”, wo man in Form einer 3-jährigen Teilzeitausbildung Unterricht erhält, mit zertifiziertem Abschluss. Alfons Geukens charismatische Ausstrahlung und sein von Humor durchdrungener praxisnaher Unterricht, sein immer offenes Ohr für Fragen, seine außergewöhnliche Kenntnis des Kent'schen Repertoriums, zieht die Lernwilligen an. Er erhält Einladungen als Referent nach Holland, Deutschland, Österreich, Polen, Norwegen, in die Schweiz, die USA, nach Rumänien, Litauen, Schweden und Dänemark …

Viel Arbeit, Verantwortung und familiäre Sorgen tragen sicherlich dazu bei, dass er erkrankt und sich selbst nicht mehr zu helfen weiß. Nach langem Leiden stirbt Dr. Alfons Geukens am 18.10.2010 in Leuven.

Noch wenige Monate zuvor, berichtet René Otter, der in Zusammenarbeit mit Bea Klein 2011 eine Materia-medica-Sammlung von Geukens herausgeben wird, habe er gehofft, bald wieder unterrichten zu können. Doch Frederik Schroyens schreibt in seiner Kondolenz: „The last time I spoke with him, he was sad that the remedy which always helped him, did not improve his current condition. Very quietly, he said: You know what that means, don't you? It means that I am blowing my last candle.”

„Was die anderen sagen, muss nicht stimmen” – Alfons Geukens ging seinen eigenen Weg, war zunächst offen für die sogenannten modernen Strömungen, er dokumentierte und präsentierte Erfolg und Misserfolg per Video. Letztlich galten für ihn jedoch stets einzig praktische Ergebnisse auf der Basis von Hahnemanns Grundregeln. Und selbstverständlich hatten sich seine Studenten im Centrum daran zu halten. „I never prescribe on mental symptoms. Take the case; perceive the totality of symptoms with special emphasis on strange, rare and peculiar symptoms – the characteristic of the case that Hahnemann discusses in paragraph 153 of the Organon”

Vor anderen war es Alfons Geukens, der der neuen Generation deutscher Homöopathen die 100-jährige Angst vor hohen Potenzen nahm. Er war es auch, der das Dogma des langen Abwartens nach einer Mittelgabe aufbrach und zeigte, dass in bestimmten Fällen eine häufige Wiederholung notwendig ist.

Alfons Geukens lebte für seine Patienten und für die klassische Homöopathie. „I want to cure. That is the only thing. If you cannot cure you can better go and sell bananas or do something else…Either you practice homeopathy or you don't.” Schwer fiel es ihm, ansehen zu müssen, wie viele seiner ehemaligen Studenten heute mit der Homöopathie umgehen. „Die Homöopathen machen selber ganz alleine die Homöopathie kaputt”, davon war er überzeugt, wenn er sah, wie viele seiner ehemaligen Schüler und Kollegen handelten.

Danke, Alfons. Viel haben deine Patienten und wir von dir bekommen. Hoffentlich hat man dir außer vielen Worten und Grünzeug auch ein paar Stangen deiner „Belga” mitgegeben! Oder wurden die – „chottverdomme” – vergessen?

Seine Stimme, seine Ermahnungen: „Sehen Sie ins Repertorium!”, „don't theorize!” und „das einzige, was ein Arzt tun soll, ist versuchen zu heilen”, klingen sicherlich noch vielen Kollegen in den Ohren, und das hoffentlich noch lange.

Geukens eindrucksvoll zerblättertes und vielfach handschriftlich ergänztes Repertorium.

Anm. d. Red.: Zwei Kasuistiken von Alfons Geukens werden in den nächsten Heften der AHZ erscheinen.

Bea Klein

c/o Clinical Training Center for Classical Homeopathy

12-Septemberstraat

19, Hechtel

Belgien

Dr. Jochen Rohwer

Gemeinschaftspraxis f. Homöopathie

Schwartauer Allee 10

23554 Lübeck