Gastroenterologie up2date 2011; 7(3): 223-238
DOI: 10.1055/s-0030-1256762
Endoskopie/Gastrointestinale Radiologie/Sonografie
 
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Laparoskopisches Tumorstaging – Stellenwert bei GI-Tumoren

Sonja  Gillen, Helmut  Friess, Hubertus  Feußner
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Publication Date:
23 September 2011 (online)

Kernaussagen

Definition

  • Die sog. erweiterte diagnostische Laparoskopie (EDL) ist ein minimalinvasiver chirurgischer Eingriff, der die Exploration des gesamten Bauchraumes ermöglicht und somit das prätherapeutische Staging bei malignen Erkrankungen erheblich verbessern kann.

  • Die EDL umfasst die visuelle Inspektion mit gezielter Präparation aller relevanten Areale, die laparoskopische Ultraschalldiagnostik und die Gewinnung von Zytologie- und/oder Biopsiematerial.

Indikationen bei GI-Tumoren

  • Beim Magenkarzinom konnten durch die EDL in 40,5 % der Fälle therapierelevante Zusatzinformationen gewonnen werden. Hier ist die diagnostische Laparoskopie auch weiterhin Bestandteil des Stagings beim fortgeschrittenen Karzinom.

  • Eine ähnliche Bedeutung hat die EDL auch für die Diagnostik des Adenokarzinoms der Speiseröhre.

  • Bei Pankreaskarzinom und Gallenwegskarzinom kann mittels EDL bei fortgeschrittenem Tumor die Resektabilität näher abgeklärt werden, dies sollte jedoch nur bei einem selektionierten Patientengut angewandt werden.

  • Im Rahmen der Diagnostik der Lebertumoren kann ergänzend eine diagnostische Laparoskopie mit intraoperativem Ultraschall zur Abschätzung der Resektabilität erfolgen.

  • Beim kolorektalen Karzinom spielt die Staginglaparoskopie nur bei der Diagnostik von potenziell resektablen Lebermetastasen zum Ausschluss einer gleichzeitigen Peritonealkarzinose eine Rolle.

  • Das Komplikationsrisiko der EDL ist zwar gering, es handelt sich aber dennoch um ein invasives Verfahren, und die Gefahr einer Tumorzellverschleppung durch den diagnostischen Eingriff ist nicht ganz auszuschließen, sodass die Indikation grundsätzlich unter der Voraussetzung einer therapeutischen Konsequenz bei selektionierten Patienten gestellt werden sollte.

Literatur

Dr. med. Sonja Gillen

Klinikum rechts der Isar
Technische Universität München

Ismaninger Straße 22
81675 München

Email: Gillen@chir.med.tu-muenchen.de