Aktuelle Dermatologie 2011; 37(12): 464-471
DOI: 10.1055/s-0030-1256718
Von den Wurzeln unseres Faches

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Über das „Lob der Kahlheit“ des Synesios von Kyrene mit trichologischem Rückblick in die Antike sowie Ausblick in Gegenwart und Zukunft

On the „Praise of Baldness“ by Synesius of Cyrene with a Trichological Look Back to Antiquity and a Look Forward into the Present and FutureR.  Möhn
  • 1Arzt für Hautkrankheiten und Allergologie, Hanau
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Publication Date:
25 August 2011 (online)

Zusammenfassung

Zunächst wird auf Leben und Werk des Synesios von Kyrene eingegangen, gefolgt von wichtigen Aspekten der Haartracht allgemein. Sodann werden die wichtigsten Argumente des Synesios zum Lob der Kahlheit aus Biologie, Kosmologie, der griechischen Mythologie und der allgemeinen Zeitgeschichte vorgetragen. Mit zum Teil sophistischen Methoden werden die Vorzüge der Kahlheit besonders am Beispiel des Halbgottes Asklepios bzw. seines ägyptischen Vorbildes Imhotep und an dem kahlköpfigen Philosophen Sokrates im Kontext zu den mythologischen Figuren Dionysos und Silenos dargelegt. Die Ikonografie dieser Figuren und eigene Betrachtungen dazu führen zu verblüffend bestätigenden Ergebnissen. Auf die konträre, in seinem Erstlingswerk „Die Geburt der Tragödie“ von Friedrich Nietzsche dargelegte Beurteilung des Dionysos und Sokrates und ihre Analogie bei der trichologischen Betrachtung wird hingewiesen. Im Ganzen zeigt sich, dass Haartracht und Wertigkeit der Glatze im Laufe der Geschichte einer ständigen Wandlung unterliegen, für die Zukunft wird eine gesellschaftliche Aufwertung der Kahlköpfigkeit erwartet.

Abstract

The life and work of Synesius of Cyrene will be dealt with first, followed by important aspects of hairstyle in general. Then Synesius' most important arguments in praise of baldness from biology, cosmology, Greek mythology and contemporary history will be put forward. Partly by means of sophistic methods, the advantages of baldness are presented, especially by the example of demigod Asclepius, or his Egyptian model Imhotep as well as by the example of the bald philosopher Socrates in the context of the mythological figures of Dionysus and Silenus. The iconography of these figures and my own thoughts lead to surprisingly corroborative results. There will be references to Friedrich Nietzsche's early work „The Birth of Tragedy“ and its completely different judgement of Dionysus and Socrates as well as their analogy from a trichological point of view. On the whole it becomes evident that hairstyle and the appreciation of baldness are subject to change in the course of history. An even greater social acceptance of baldness is likely to occur in the future.

Literatur

  • 1 Synesios von Kyrene. Lob der Kahlheit.. Deutsch von Werner Golder Würzburg: Königshausen und Neumann; 2. Auflage 2007
  • 2 Ogonczyk-Zakrzewski M F. Medizinisch-literärische Geschichte des Weichselzopfes, ein Versuch.. Wien: Mechitaristen-Congregations-Buchhandlung; 1830. 10
  • 3 Möhn R. Der Weichselzopf – Krankheit, Aberglaube, Charakterprofil und Erinnerungskultur.  Akt Dermatol. 2008;  34 49
  • 4 Saueressig H. Martin Gumpert. Im Winkel der Medizingeschichte.. In: Ärzte und Ärztliches. Essayistische Anregungen.. Biberach/Riss: Basotherm GmbH, Wege und Gestalten; 1989: 31
  • 5 Mann T H. Joseph der Ernährer.. In: Joseph und seine Brüder.. Berlin: Deutsche Buchgemeinschaft; 1964: 970
  • 6 Nietzsche F. Die Geburt der Tragödie oder Griechentum und Pessimismus.. Köln: Könemann-Verlagsgesellschaft mbH; 1994: 6-151
  • 7 UK. In: Katalog Alte Pinakothek München, Bayerische Staatsgemäldesammlungen. 1983: 453-454

Dr. med. Rudolf Möhn

Arzt für Hautkrankheiten
und Allergologie

Philippsruher Allee 35
63454 Hanau

Email: rmoehn@unitybox.de

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