Gastroenterologie up2date 2011; 7(2): 123-143
DOI: 10.1055/s-0030-1256507
Systemerkrankungen mit GI-Beteiligung

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Beteiligung des Gastrointestinaltraktes bei rheumatischen Erkrankungen

Irmtraut  Koop
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Publication Date:
21 June 2011 (online)

Kernaussagen

Klinik

  • Die klinischen Zeichen einer gastrointestinalen Beteiligung bei rheumatischen Erkrankungen sind entweder durch eine Vaskulitis mit Ischämie unterschiedlichen Ausmaßes oder durch eine Kollagenose mit Motilitätsstörungen und deren Folgen gekennzeichnet.

  • Grundsätzlich können alle Organe des Gastrointestinaltrakts betroffen sein, am häufigsten sind jedoch der Ösophagus (Dysphagie, Refluxösophagitis) und der Dünndarm (Vaskulitis unterschiedlicher Genese) betroffen.

  • Endoskopisch sollten ein längerstreckiges Mukosaödem mit Petechien und Ulzera mit atypischer Konfiguration, Häufung an mehreren Stellen des Magen-Darm-Trakts sowie langstreckigem und örtlich ungewöhnlichem Befall an Vaskulitis denken lassen (Ausschluss Hp, NSAR, ASS, CED, Tumor, arteriosklerotische/embolische Ischämie, Z.n. Radiatio).

  • Häufigste Beschwerden einer mesenterialen Vaskulitis sind Bauchschmerzen (postprandial, aber auch nahrungsunabhängig), Durchfall, Übelkeit/Erbrechen und intestinaler Blutverlust.

  • Komplikationsträchtige Verläufe mit Perforation bzw. die Notwendigkeit eines chirurgischen Eingriffs haben eine schlechte Prognose.

Diagnostik

  • Histologisch ist die Diagnose einer Vaskulitis durch endoskopisch entnommene Biopsien nur zu stellen, wenn Submukosa mit Gefäßen zur Untersuchung gelangt.

  • Sonografie mit Duplex und Angio-CT/MRT zeigen (unspezifische) Darmwandverdickung, mesenteriales Ödem und Aszites, aber selten direkte Veränderungen der Gefäße.

  • Extraintestinale Pathologika können wegweisend sein: rasch progrediente Niereninsuffizienz (WG, MPA, SLE, SHP), Lungeninfiltrate (WG, MPA, CSS), Eosinophilie > 10 % (CSS), Leukopenie, Thrombopenie, Raynaud-Syndrom, Alopezie, Schmetterlingserythem (SLE), Purpura/Papeln (SHP, PAN, Vaskulitis bei KG).

  • Autoantikörper sind häufig nachweisbar (Vaskulitis: ANA, cANCA, pANCA u. a.; SLE: ANA, anti-DNS-Topoisomerase I u. a.; MCTD: anti-U1-RNP).

Therapie

  • Rasche Diagnosestellung und Therapiebeginn sind bei mesenterialer Vaskulitis notwendig, um lebensbedrohliche Komplikationen bzw. dauerhafte Organschäden zu vermeiden.

  • Motilitätsstörungen, wie Dysphagie, Refluxösophagitis, Magenentleerungsstörungen und Pseudoobstruktion bei Kollagenosen, werden symptomatisch behandelt.

 

Literatur

Prof. Dr. med. Irmtraut Koop

Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Gastroenterologie
Ev. Amalie Sieveking-Krankenhaus gGmbH

Haselkamp 33
22359 Hamburg

Email: I.Koop@amalie.de