Pneumologie 2011; 65(5): 263-282
DOI: 10.1055/s-0030-1256087
Leitlinie

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Prävention arbeitsbedingter obstruktiver Atemwegserkrankungen

Interdisziplinäre S1-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und UmweltmedizinPrevention of Occupational Airway DiseasesInterdisciplinary Guideline of the German Society for Occupational and Environmental MedicineX.  Baur1 , A.  Heutelbeck2 , P.  Kujath3 , H.  Stahlkopf4
  • 1Ordinariat für Arbeitsmedizin, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
  • 2Institut für Arbeits- und Sozialmedizin der Georg-August-Universität Göttingen
  • 3Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), Berlin
  • 4Betriebsärztin, Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA)
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Publication Date:
03 February 2011 (online)

1 Einführung

Anlass für diese Leitlinie ist die hohe Zahl von arbeitsbedingten obstruktiven Atemwegserkrankungen. Erreicht werden soll eine Verringerung von Symptomen, Morbidität, Mortalität, Arbeitsunfähigkeitszahlen und Kosten. Zu diesen Erkrankungen gehören das Asthma bronchiale, die chronische obstruktive Lungenerkrankung (COPD) und das Lungenemphysem sowie als Vorstadium die chronische nicht-obstruktive Bronchitis. Oft liegt eine multikausale Genese vor, in der arbeitsbedingte Einflüsse wie sensibilisierend, atemwegsirritativ bzw. toxisch wirkende Stäube, Tröpfchen, Gase und Aerosole beteiligt sind oder sogar die führende Rolle einnehmen. Nach den Entstehungsmechanismen unterscheidet man allergische, irritativ-toxische und durch anorganische Stäube ausgelöste Atemwegserkrankungen, wobei Mischformen zu beobachten sind.

Mit dieser Leitlinie sollen das verfügbare Wissen über die Prävalenz und die Ursachen dieser Erkrankungen dargestellt sowie im Sinne des „Leitfaden für Arbeitsschutzmanagementsysteme” und eines „Code of good practice” konkrete Präventionsziele formuliert, Handlungsanleitungen und Unterstützung bei der Gefährdungsanalyse, -beurteilung und -beseitigung, ferner bei der Erstellung interner Audits gegeben werden.

Die arbeitsmedizinische Beratung zur Primärprävention und die guten Chancen einer wirksamen Sekundärprävention weisen dem Betriebsarzt in Zusammenarbeit mit den Sicherheitsfachkräften, dem Hausarzt und Pneumologen eine ganz wesentliche Rolle in der Zurückdrängung dieser Erkrankungen zu.

Von besonderer Bedeutung in diesem Zusammenhang ist das Arbeitsschutzgesetz als nationale Umsetzung der EG-Rahmenrichtlinie über die Durchführung von Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Arbeitnehmer bei der Arbeit [1]. Neben der Erweiterung des Arbeitsschutzbegriffes wird hier mit der Gefährdungsbeurteilung auch ein Instrument zur systematischen und umfassenden Ermittlung von Gefährdungen, der Ableitung erforderlicher Maßnahmen und eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses vorgegeben.

Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen kommen als Präventionsmaßnahme zum Tragen, wenn die technischen Präventionsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Die Instrumente für die Prävention obstruktiver Atemwegserkrankungen zu nutzen, erfordert Beurteilungsgrundlagen. Diese sind in Technischen Regeln, berufsgenossenschaftlichen Informationen und Grundsätzen – BGI und BGG (z. B. 504-23) – sowie anderen anerkannten Regeln niedergelegt. Sie sind zu aktualisieren und weiterzuentwickeln aufgrund wachsender Erfahrungen und Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis. Einzubeziehen sind dabei die arbeitsmedizinischen und betriebsärztlichen Fachgesellschaften, aber auch fachkundige Vertreter von Arbeitsschutz, Sozialpartnern und politischen Gremien.

8 Literatur

Prof. Dr. X. Baur

Ordinariat für Arbeitsmedizin
Zentralinstitut für Arbeitsmedizin und Maritime Medizin

Seewartenstraße 10
20459 Hamburg

Email: baur@uke.de