Dialyse aktuell 2010; 14(3): 136
DOI: 10.1055/s-0030-1253643
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Das akute Nierenversagen – eine häufig unterschätzte Erkrankung

Andreas Kribben
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Publication Date:
28 April 2010 (online)

Das akute Nierenversagen ist die häufigste und teuerste Nierenerkrankung im Krankenhaus. Die Mortalität ist auf der Normalstation mit 10 % und in der Intensivmedizin mit 30–50 % sehr hoch. Trotz großer Fortschritte in der Medizin gibt es bis heute keine spezifische Therapie für das akute Nierenversagen. Deshalb steht bei der Betreuung von Patienten mit dem Risiko für ein akutes Nierenversagen die Prävention im Vordergrund. PD Dr. Stefan Herget-Rosenthal und Dr. Martin Langenbeck haben in Ihrem Beitrag die neuesten Erkenntnisse zu Definition, Erkennung und Prävention des akuten Nierenversagens zusammengestellt.

Nach den aktuellen Definitionen spricht man bei einem Anstieg des Serumkreatinins von einem gemessenen oder angenommenen Ausgangswert um mehr als 50 % innerhalb von 7 Tagen oder bei einem Anstieg über einen gemessenen Ausgangswert um mehr als 0,3 mg/dl innerhalb von 48 Stunden von einem akuten Nierenversagen. Außerdem liegt ein akutes Nierenversagen bei nicht dehydrierten Patienten mit einer gemessenen Urinausscheidung von weniger als 0,5 ml/kg/h in 6 Stunden vor. Die Diagnose akutes Nierenversagen ist also unabhängig von der Notwendigkeit einer Nierenersatztherapie.

Die häufigsten Ursachen des akuten Nierenversagens sind die Unterversorgung der Nieren mit Nährstoffen und Sauerstoff sowie die Schädigung der Nieren durch endogene und exogene toxische Substanzen. Interessanterweise kommt es im klinischen Verlauf des akuten Nierenversagens auch nach einer Wiederherstellung der Nähr- und Sauerstoffversorgung nicht sofort zu einer Wiederherstellung der Nierenfunktion. Die Nierenfunktion kann noch Tage und Wochen eingeschränkt bleiben und so eine Nierenersatztherapie erfordern.

Die Ursachen und Mechanismen des akuten Nierenversagens beschreibt PD Dr. Thorsten Feldkamp ausführlich in seinem Beitrag zur Pathophysiologie des akuten Nierenversagens. Die Notwendigkeit einer Nierenersatztherapie ist mit einer starken Erhöhung der Mortalität assoziiert. Aber auch ohne Notwendigkeit einer Nierenersatztherapie steigt durch das akute Nierenversagen das Mortalitätsrisiko deutlich. Außerdem kommt es durch das akute Nierenversagen zu einem dramatischen Anstieg der Inzidenz einer chronischen Nierenerkrankung bis hin zur terminalen Niereninsuffizienz.

Für die extrakorporale Nierenersatztherapie beim akuten Nierenversagen kommen kontinuierliche und intermittierende Hämodialyse, Hämofiltration und Hämodiafiltration in Betracht. Prof. Horst Kierdorf diskutiert die Indikation, die Dosis und die Durchführung dieser Nierenersatzverfahren beim akuten Nierenversagen und gibt Empfehlungen zur Wahl der Therapie in Abhängigkeit vom Zustand des Patienten und der Erfahrung auf der Station.

Prof. Andreas Kribben

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