Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2010; 45(5): 336-344
DOI: 10.1055/s-0030-1253568
Fachwissen
Anästhesiologie - Topthema: Neurologische Erkrankungen
© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Neurologische Erkrankungen – Allgemeinanästhesie bei neurologischen Erkrankungen

General anaesthesia for neurological diseasesChristine Schneemilch
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Publication Date:
07 May 2010 (online)

Zusammenfassung

Der Begriff „neurologische Erkrankung“ umfasst eine Vielzahl krankhafter Veränderungen, die sowohl das zentrale als auch das periphere Nervensystem betreffen. Niedrige Inzidenz einerseits und anästhesierelevante Begleiterkrankungen auf der anderen Seite erfordern besondere Aufmerksamkeit bei der Vorbereitung und Durchführung einer Allgemeinanästhesie. Im folgenden Beitrag soll vor allem auf die Problematik neurodegenerativer Erkrankungen eingegangen werden, deren anästhesiologische Relevanz durch die veränderte Altersstruktur steigen wird.

Abstract

The term neurological diseases includes a lot of disorders concerning both the central and peripheral nervous system. Low incidence on the one hand and anaesthetic relevance on the other hand requires special attention in preoperative preparing and management of general anaesthesia. The following paper presents special problems of neurodegenerative disorders, which anaesthetic relevance is of growing interest in the changed elderly population.

Kernaussagen

  • Neurodegenerative Erkrankungen sind durch fortschreitenden Untergang von Neuronenpopulationen mit weitestgehend noch unbekannter Ätiologie und Pathogenese gekennzeichnet.

  • Sekundärkomplikationen sind hauptsächlich für den letalen Ausgang verantwortlich.

  • Komplikationen sind durch respiratorische Funktionsstörungen und autonome Dysregulationen zu erwarten.

  • Sorgfältige klinische Untersuchung möglicher Beatmungs- und Intubationsschwierigkeiten verringert das Risiko sekundärer Komplikationen.

  • Der Einsatz kurzwirksamer Anästhetika wie Propofol in Kombination mit Remifentanil scheint sicher zu sein.

  • Auf die Gabe von Succinylcholin sollte aufgrund einer möglichen Hyperkaliämie mit nachfolgend bekannten Komplikationen verzichtet werden.

  • Kurzwirksamen nicht depolarisierenden Muskelrelaxanzien wie Rocuronium sollte der Vorzug gegeben werden.

  • Der Einsatz volatiler Anästhetika wird kontrovers diskutiert. Sevofluran kann nach individueller Abwägung eingesetzt werden. Über Desfluran liegen keine Erfahrungen vor.

  • Ausgeprägte orthostatische Dysregulationen erfordern unabhängig von Art und Dauer des Eingriffes ein invasives Kreislaufmonitoring.

  • Eine Überwachung der Narkosetiefe mittels apparativer Verfahren (BIS, Narkotrend) kann eine Überdosierung der Hypnotika verhindern und ist empfehlenswert.

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PD Dr. med. Christine Schneemilch

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