Gesundheitswesen 2011; 73(4): 238-246
DOI: 10.1055/s-0030-1252039
Originalarbeit

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Tabakattributable Mortalität in Deutschland und in den deutschen Bundesländern – Berechnungen mit Daten des Mikrozensus und der Todesursachenstatistik

Tobacco-Attributable Mortality in Germany and in the German Federal States – Calculations with Data from a Microcensus and Mortality StatisticsU. Mons1
  • 1Deutsches Krebsforschungszentrum, Stabsstelle Krebsprävention und WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle, Heidelberg
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
14. Juni 2010 (eFirst)

Zusammenfassung

Ziel der Studie: Rauchen ist das bedeutendste einzelne vermeidbare Gesundheitsrisiko, weltweit sind beinahe fünf Millionen vorzeitige Todesfälle jährlich auf das Rauchen zurückzuführen. Ziel dieser Studie ist es, die Zahl der auf das Rauchen zurückführbaren Todesfälle für Deutschland und die einzelnen Bundesländer zu ermitteln. Auf diese Weise können regionale Unterschiede der Rauchprävalenz und der daraus resultierenden tabakattributablen Todesfälle sichtbar gemacht werden.

Methodik: Für die Berechnung der tabakattributablen Mortalität werden folgenden Daten herangezogen: (1) die Anteile der gegenwärtigen Raucher und früheren Raucher an der Bevölkerung (Datenbasis: Mikrozensus 2005), (2) die Anzahl der Sterbefälle nach ICD-10 für Erkrankungen, für die Raucher ein erhöhtes Mortalitätsrisiko haben (Datenbasis: Todesursachenstatistik), (3) die relativen Mortalitätsrisiken für Raucher und ehemalige Raucher für diese Krankheiten (Quelle: American Cancer Society).

Ergebnisse: Gemäß der Berechnungen sind in Deutschland im Jahr 2007 insgesamt 106 623 Todesfälle auf das Rauchen zurückzuführen, davon 77 588 Todesfälle bei den Männern und 29 035 bei den Frauen. Damit sind im Jahr 2007 13% der Todesfälle im Alter über 35 und unter dem ersten Lebensjahr tabakrauchbedingt (20,2% bei den Männern, 6,7% bei den Frauen).

Schlussfolgerungen: Hinsichtlich der bundeslandspezifischen Unterschiede der tabakattributablen Mortalitätsrate zeigt sich der Tendenz nach ein Nord-Süd-Gradient. Dieser ist bei den Männern etwas deutlicher als bei den Frauen, bei denen auch in einigen östlichen Bundesländern die tabakbedingte Mortalität gering ist. Insgesamt ist die Last der tabakverursachten Todesfälle in Deutschland noch immer enorm hoch und führt zu immensen Kosten für Volkswirtschaft und Gesundheitswesen.

Abstract

Aim of the Study: Smoking is the single most important health risk, and annually about five million premature deaths worldwide are attributed to smoking. The aim of this study is to estimate the number of smoking attributable deaths for Germany and its 16 states (Länder) and to assess the regional differences of smoking prevalence and smoking-attributable mortality.

Methods: The smoking-attributable mortality is estimated on the basis of (1) smoking and ex-smoking prevalence, (2) the number of deaths by ICD-10 for diseases for which smokers have an increased mortality risk, and (3) the relative mortality risks for smokers and ex-smokers for these diseases.

Results: According to the calculations, 106 623 deaths in Germany in 2007 are attributable to smoking, 77 588 deaths in men and 29 035 in women. This means that 13% of all deaths of people over 35 and of children under age 1 are attributable to smoking (20.2% in men, 6.7% in women).

Conclusions: The state-specific differences of the smoking-attributable mortality rate indicate a north-south-gradient. This gradient is more significant in men, whereas in women there are also some eastern states with a low smoking-attributable mortality. Overall, there is still a high burden of tobacco-related deaths in Germany which leads to considerable costs for the German health system and economy.

Literatur

Korrespondenzadresse

U. Mons

Deutsches Krebsforschungszentrum

Stabsstelle Krebsprävention und WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle

Im Neuenheimer Feld 280

69120 Heidelberg

eMail: u.mons@dkfz.de