Klinische Neurophysiologie 2010; 41(2): 125-130
DOI: 10.1055/s-0030-1252033
Originalia

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Semantisches Gedächtnis und semantische Demenzen: Wenn Wissen verschwindet

Semantic Memory and Semantic Dementia – When Knowledge DisappearsD. Fenker1
  • 1Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Otto-v.-Guericke Universität, Magdeburg
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Publication Date:
24 June 2010 (online)

Zusammenfassung

Das semantische Gedächtnis ist das Gedächtnis über Konzepte und Fakten. Auf neurobiologischer Ebene wird angenommen, dass die Gedächtnisinhalte in den modalitätsspezifischen Gehirnregionen verarbeitet und gespeichert werden und dann diese Informationen im anterioren temporalen Lappen (ATL) auf einer amodalen Ebene weiterverarbeitet werden. Dieses System erlaubt z. B. über verschiedene Konzepte hinweg zu generalisieren. Bei der semantischen Demenz (SD), einer Form der fronto-temporalen Demenz, verlieren die Patienten mehr und mehr ihr Wissen über Konzepte und Fakten und die Fähigkeit zu generalisieren ist stark beeinträchtigt. Bildgebende Befunde bei SD Patienten bestätigen die Rolle des ATL als Knotenpunkt des semantischen Gedächtnisses und grenzen gleichzeitig die SD zu anderen dementiellen Prozessen wie z. B. der Alzheimerschen Erkrankung ab. Als eine Art Sonderform semantischen Wissens ist das Wissen über Ursache-Wirkungszusammenhänge zu sehen. Dieses Wissen ist für zielgerichtetes Verhalten im Alltag extrem wichtig und wird auf neuronaler Ebenen nicht nur in semantischen Gedächtnisregionen verarbeitet, sondern auch in dopaminergen Mittelhirnstrukturen, die vorwiegend beim Wissenserwerb aktiviert sind. Befunde zum Einfluss von SD auf dieses Kausalwissen stehen allerdings noch aus.

Abstract

Semantic memory is the memory that contains knowledge about concepts and facts. On a neurobiological level it is assumed that these memory contents are processed and stored in modality-specific brain regions and then are further processed amodally in the anterior temporal lobes (ATL). This system enables us to generalise over semantic concepts. Patients with semantic dementia (SD), a form of fronto-temporal dementia, lose more and more knowledge about concepts and facts and their ability to generalise is heavily disturbed. Imaging results from SD patients confirm the role of ATL as a hub of semantic memory and simultaneously distinguish between SD and other forms of dementia, such as Alzheimer's disease. A special kind of semantic knowledge is the knowledge about cause-effect relationships. This is very important for goal-directed behaviour in our daily lives and, on a neural level, it is not only mediated by semantic memory regions, but also by dopaminergic midbrain regions, 1which are mainly activated during knowledge acquisition. However, the influence of SD on causal semantic memory is an understudied issue, so far.

Literatur

Korrespondenzadresse

Dr. rer. nat. Daniela Fenker

Klinik für Psychiatrie und

Psychotherapie

Otto-v.-Guericke Universität

Leipziger Straße 44

39120 Magdeburg

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