Z Orthop Unfall 2010; 148(6): 725-740
DOI: 10.1055/s-0030-1250619
Refresher Orthopädie und Unfallchirurgie
Rubrikherausgeber: R. Hoffmann, Frankfurt, R. Windhager, Graz
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Akute und chronische Instabilitäten des Ellenbogengelenks

B. Marquaß1 , C. Josten1
  • 1Universitätsklinikum Leipzig AÖR, Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Plastische Chirurgie
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Publication Date:
15 December 2010 (online)

Zusammenfassung

Die erfolgreiche Therapie von Ellenbogeninstabilitäten wird durch biomechanisches Grundverständnis erleichtert. Klinische Instabilitäten lassen sich auf strukturelle Verletzungen zurückführen, die mit der Therapie gezielt adressiert werden müssen. Akute Instabilitäten des Ellenbogengelenks nach den häufigen posterolateralen Luxationen betreffen vermehrt den radialen Bandapparat. Neben reinen Bandverletzungen kann eine Ellenbogeninstabilität auch durch Verlust der knöchernen Führung im Rahmen einer Fraktur oder einer Kombination aus Fraktur und gleichzeitiger Verletzung des Bandapparats entstehen. So korrelieren Trümmerfrakturen des Radiuskopfs häufig mit einer Ruptur des ulnaren Kollateralbands. Knöcherne Begleitverletzungen liegen bei bis zu 50 % aller Ellenbogenluxationen vor. Einfache Luxationen heilen unter konservativer Therapie i. d. R. mit einem guten klinischen Ergebnis aus. In wenigen Fällen kann eine chronische Instabilität resultieren. Aber auch rezidivierende Mikrotraumata, z. B. bei Wurfsportarten, führen zu Veränderungen im Gelenkspiel mit hieraus resultierenden chronischen Beschwerden am Ellenbogengelenk. Die chronische posterolaterale Instabilität wurde in jüngster Zeit als die Hauptpathologie bei einem instabilen Ellenbogen angesehen. Chronisch mediale Instabilitäten sind ein Problem für den aktiven Athleten und können bis zur Sportunfähigkeit führen. Primär sollte eine konservative Therapie durchgeführt werden. Beim Versagen der konservativen Therapie, Wunsch des Sportlers oder im Falle einer hochgradigen medialen Instabilität kann ein operatives Vorgehen indiziert sein. In diesem Fall ist eine Rehabilitationsphase von bis zu einem Jahr zu erwarten.

Abstract

Successful treatment of elbow instability is aided by fundamental biomechanical understanding. This allows for clinical instability to be traced back to structural injuries, which can be addressed with targeted therapy. Acute instability of the elbow joint after frequent posterolateral dislocations tends to affect the radial ligamentous complex. In addition to simple ligamentous injuries, fractures can also contribute to elbow instability; comminuted fractures of the radial head often correlate with a rupture of the ulnar collateral ligament. Improperly healed acute injuries can result in chronic instability. However, recurrent microtrauma such as that seen in throwing athletes can also lead to changes in joint laxity. Conservative therapy of simple elbow dislocation usually leads to satisfactory results. In isolated cases, chronic lateral instability may result that requires operative stabilization. Recently, chronic posterolateral instability has been seen as the primary underlying pathology in unstable elbows. Chronic medial instability is also a problem for active athletes and may even lead to inability to participate in athletics. Conservative therapy should be the primary course of treatment. Surgical treatment may be indicated if conservative measures fail, if an athlete desires additional treatment, or in cases of high-grade medial instability. In this case, a rehabilitation period of up to one year should be expected.