Zahnmedizin up2date 2010; 4(6): 559-573
DOI: 10.1055/s-0030-1250366
Endodontologie

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Der obliterierte Wurzelkanal

Peter Kiefner
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Publication Date:
03 December 2010 (online)

Einführung

Das Ziel der endodontischen Therapie ist die Elimination der infektiösen Noxen, die Beseitigung von Bakterien, deren Stoffwechselprodukten und des infizierten/nekrotischen Materials aus dem gesamten Wurzelkanalsystem. Diese Zielsetzung wird durch chemomechanische Maßnahmen sowie durch die anschließende, bakteriendichte und 3-dimensional stabile Füllung des aufbereiteten und desinfizierten Wurzelkanalsystems erreicht. Dadurch kommt es zur Heilung der periapikalen Strukturen; einer möglichen Reinfektion wird dauerhaft vorgebeugt. Unterschiedliche Faktoren, wie zum Beispiel die Morphologie des Wurzelkanalsystems, können den Schwierigkeitsgrad und dadurch die Erfolgsaussichten der angestrebten Therapie beeinflussen.

Im idealen endodontischen Behandlungsfall sind alle Wurzelkanäle leicht lokalisierbar und gängig vom koronalen Öffnungspunkt bis zum apikalen Foramen. Dies dürfte aber in einer eher geringeren Zahl der Behandlungsfälle vorkommen. Kalzifikationen, Pulpasteine, Dentikel oder Reizdentinbildung können bereits im Pulpenkavum, im koronalen, mittleren oder apikalen Kanalanteil vorkommen und den Behandler vor große Herausforderungen auf dem Weg zur Erschließung des Wurzelkanalsystems stellen.

In Fällen mit engen, partiell oder total obliterierten Wurzelkanälen gestaltet sich die Aufbereitung des Wurzelkanalsystems mit dem Ziel der Bakterienreduktion und der Elimination bereits infizierten Materials aus dem Wurzelkanal bis zur apikalen Konstriktion als eine schwierige Prozedur.

Ätiologie der Wurzelkanalobliteration

Der enge oder obliterierte Wurzelkanal kann als Folge unterschiedlicher ätiologischer Faktoren auftreten und stellt die Durchführbarkeit der endodontischen Therapie infrage. Komplikationen wie Perforationen, Via falsa oder Instrumentenfrakturen können auftreten. Dadurch resultierende Kompromisse, wie die inkomplette Aufbereitung und Füllung der obliterierten Wurzelkanäle, wirken sich negativ auf die Erfolgsprognose aus und können sogar im Einzelfall zum Verlust des betroffenen Zahnes führen. Solche Risiken haben oft dazu geführt, dass in Fällen mit stark eingeengten Kanallumina aufgrund niedriger Erfolgsquoten eher die Extraktion der Zähne empfohlen wurde.

Definition Obliteration Der Begriff Obliteration wird in der Literatur auch als „degenerative kalzifizierende Veränderung“ oder „calcific metamorphosis“ bezeichnet. Diese pulpale Reaktion wird einerseits als eine überschießende reparative Pulpareaktion betrachtet, andererseits wird diese Reaktionslage einer pathologischen Veränderung der pulpalen Reaktionsfähigkeit gleichgestellt [1]. Auch chronische Reize, wie zum Beispiel langsam progrediente Karies, okklusales Trauma oder physiologische Alterungsprozesse können zu einer Verengung des initialen Kanallumens führen. Wurzelkanalobliterationen kommen häufig als Folge des dentalen Traumas vor [2]. Die pulpale Antwort auf die traumatische Einwirkung ist gekennzeichnet durch Apposition von Hartgewebe in den Wurzelkanälen, welche zu einer partiellen oder im Extremfall zu einer vollständigen Wurzelkanalobliteration führen kann [3]. Die Obliterationen sind im koronalen Bereich des Wurzelkanals stärker ausgeprägt, apikalwärts nimmt die Dentinapposition und damit verbundene Einengung des Kanallumens kontinuierlich ab. Merke: Sind also die koronalen Obliterationen erst einmal entfernt, lässt sich in der Regel der apikale Kanalanteil etwas leichter erschließen. Ursachen von Obliterationen chronische Reize langsam progrediente Karies okklusales Trauma physiologische Alterungsprozesse dentales Trauma Folgen der Hartgewebsapposition Die Hartgewebsapposition kann eine komplette Obliteration des Kanals zur Folge haben. In der Regel aber ist diese Obliteration partiell und lässt Möglichkeiten zu, diese erschwerenden Begleitfaktoren zu umgehen und dennoch eine hohe Erfolgsquote der endodontischen Maßnahme zu erzielen. Das Lumen der Pulpakammer oder der Wurzelkanäle wird durch Bildung von Hartgewebe derart eingeengt, dass die Lokalisation der Kanaleingänge ohne Zuhilfenahme optischer Vergrößerungssysteme nur unter massivem Substanzabtrag Aussicht auf Erfolg haben kann.

Klinische Symptomatik

Aufgrund fehlender klinischer Symptomatik bleibt eine Obliteration entweder lange nicht erkannt oder es handelt sich um einen röntgenologischen Zufallsbefund [[4]].

Diskoloration Am häufigsten fällt bei der Routineuntersuchung die Diskoloration der klinischen Krone auf, welche durch die Dentinapposition und dadurch verbundene Reduzierung der Transluzenz der Krone erklärt werden kann. Im Vergleich mit dem kontralateralen Zahn erscheint die Krone dunkler und zeigt einen gelblich-grauen Farbton. Verzögerte Sensibilität Die Sensibilitätsprüfung (z. B. mit CO2-Schnee) führt zu einer stark verzögerten Reaktion. Auch die elektrische Sensibilitätsprüfung zeigt eine stark geminderte oder komplett fehlende Reaktion der pulpalen Gewebe. Negative Perkussion In der Regel bleibt der Perkussionstest negativ.

Literatur

Dr. Peter Kiefner

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