Dialyse aktuell 2010; 14(1): 3
DOI: 10.1055/s-0030-1249238
Editorial

© Georg Thieme Verlag Stuttgart · New York

Essen und Schlafen

Birgit Kleinlein
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Publication Date:
12 February 2010 (online)

Essen und Schlafen muss jeder. Essen und Schlafen sind Grundbedürfnisse. Grundbedürfnisse, die selbstverständlich auch Dialysepatienten haben. Die jedoch für Dialysepatienten nicht uneingeschränkt mit Genuss verbunden sind. Die 4 Schwerpunktbeiträge dieser 1. Ausgabe 2010 beschäftigen sich überspitzt gesagt mit den Themen Essen und Schlafen. Eine seltsame Themenauswahl? Nun gut, es sind die 4 besten Arbeiten, die beim Förderpreis Nephrologische Pflege eingereicht wurden. Und hierbei ist die Themenauswahl zweitrangig, überzeugt haben uns die praxisnahen Projekte aus dem weiten Feld Nierenersatztherapie.

Ihre Ernährung müssen Nierenkranke meist schon umstellen, bevor sie an die Dialyse kommen. Mit Beginn der Dialyse gibt es neue Einschränkungen und Vorschriften. Im Lauf der Zeit schleichen sich bei vielen Dialysepatienten Diätfehler ein. Grund genug für Andrea Bauer, die mit Ihrer Arbeit den 1. Preis gewann, ein Preisgeld in Höhe von 1500 Euro, die Ernährungsberatung in ihrem Dialysezentrum auf den Prüfstand zu stellen und zu hinterfragen. Wie sie mithilfe Ihrer Befragungsaktion herausfand, ist es sinnvoll, die Ernährungsberatung nach dem Motto „lieber öfter und kürzer“ umzugestalten.

Der Gefahr einer Mangelernährung sind viele Dialysepatienten ausgesetzt, noch schwieriger ist das bei dialysepflichtigen Intensivpatienten, also beispielsweise nach einem chirurgischen Eingriff. Gerade hier ist ein individueller Ernährungsplan von Bedeutung, so Lutz Griebel in seiner Arbeit zur Ernährung im Postaggressionsstoffwechsel, die auf den 3. Platz kam. Denn eine adäquate bilanzierte Ernährung hat Einfluss auf den weiteren Krankheitsverlauf und kann sich positiv auf die Genesung auswirken, das Wissen hierüber ist aber beim medizinischen Personal noch nicht ausreichend vorhanden.

Der Schlaf von Dialysepatienten ist prinzipiell erst einmal nicht anders als der von Nierengesunden – außer sie dialysieren währenddessen. Mit 2 Kanülen im Arm zu schlafen, was sich für Laien unmöglich anhört, das ist die Grundlage des Konzepts der sogenannten Schlaf- oder Nachtdialyse. Ganz neu ist dieses Dialyseregime nicht mehr, viel Erfahrungswerte hierzu gibt es aber nicht. Das war der Ansatzpunkt der Arbeit von Anna Rissling, in deren Dialysezentrum nun seit 7 Jahren diese Form der intensivierten Dialysetherapie angeboten wird. Die gelungene Übersicht beleuchtet das Thema Schlafdialyse aus Sicht von Medizin, Patienten und Pflege und kam auf den 2. Platz.

Ein positiver Einfluss auf Mobidität und Mortalität gepaart mit dem „Gewinn“ an Zeit – diese Vorteile der Schlafdialyse wollte auch das pädiatrische Dialysezentrum der Berliner Charité für Ihre Patienten nutzen. In Ihrer Arbeit, die sich punktgleich mit Herrn Griebel den 3. Platz teilt, können Sie sehr schön die praktische Einführung der nächtlichen Hämodialyse nachverfolgen: Angefangen von den organisatorischen Gesichtspunkten – wie wird der Schichtdienst organisiert, was ist bei der Zimmeraufteilung zu beachten – über psychische Hintergrundaspekte – wie gut schlafen Kinder in einer solchen Extremsituation – bis hin zu Fragen der Shuntarmfixierung und der Krankenbeobachtung – wie viel Kontrolle ist notwendig.

Den Förderpreis Nephrologische Pflege vergibt die Arbeitsgemeinschaft für nephrologisches Personal gemeinsam mit der Dialyse aktuell auch dieses Jahr wieder, dann zum insgesamt 5. Mal. Die Preisträger werden im Oktober im Rahmen des AfnP-Symposiums in Fulda geehrt, die preisgekrönten Arbeiten in der Dialyse aktuell veröffentlicht. Versuchen Sie es doch auch einmal, mehr zu den Bewerbungskriterien finden Sie auf Seite 49 oder auf der AfnP-Internetseite www.afnp.de.

Ihre

Viel Spaß beim Lesen wünscht

Birgit Kleinlein

Stuttgart

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