kleintier konkret 2010; 13(S 01): 10-11
DOI: 10.1055/s-0030-1248839
Hund und Katze
Impfung
Enke Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG Stuttgart

Impfung individuell

Hans Lutz
,
Regina Hofmann
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Publication Date:
11 March 2010 (online)

Neues zur FeLV-Infektion und zur FeLV-Impfung

Einleitung

Die FeLV-Infektion hat im Laufe der letzten 15 Jahre in vielen Ländern und Gegenden Europas zahlenmäßig an Bedeutung verloren. Dies ist einerseits auf die Einführung einfach durchzuführender Testverfahren zum Nachweis der Virämie und andererseits auf den vermehrten Einsatz wirkungsvoller Impfstoffe zurückzuführen.

Gelegentlich kommt es aber in Beständen, die als FeLV-frei beurteilt wurden, zu Reinfektionen, die zunächst schwierig zu erklären sind. Heute wissen wir, dass die Pathogenese der FeLV-Infektion sehr vielgestaltig sein kann und dass die dem Kliniker zur Verfügung stehenden Testverfahren zwar virämische Tiere zuverlässig erkennen lassen, dass es daneben aber viele Verlaufsformen gibt, die mit den üblichen Testverfahren nicht ohne weiteres diagnostiziert werden.

Es ist das Ziel des vorliegenden Beitrages, neuere Entwicklungen der Kenntnis der Infektionspathogenese zu beschreiben.


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FeLV-Nachweisverfahren

FeLV ist ein Gamma-Retrovirus, das vor über 45 Jahren entdeckt wurde [8]. Es wurde bald klar, dass es für verschiedene Erkrankungsformen verantwortlich sein kann: Nicht regenerative Anämie, Immunschwächen sowie Tumoren (hauptsächlich Lymphome und myelopolyferative Erkrankungen) sind die wichtigsten Erkrankungen, die durch ein langdauernde FeLV-Virämie verursacht werden [3].

Indirekter Immunfluoreszenztest Zu Beginn der FeLV-Forschung beruhte die Diagnose der FeLV-Infektion bei privat gehaltenen Hauskatzen fast ausschließlich auf dem in den frühen 1970er Jahren eingeführten indirekten Immunfluoreszenztest, mit dem in getrockneten Blutausstrichen FeLV-Antigene im Zytoplasma der Leukozyten und Thrombozyten nachgewiesen werden konnten [4]. Daneben wurde während vielen Jahren FeLV im Plasma infizierter Katzen auch mittels Zellkulturtechniken nachgewiesen [12].

ELISA Die Beobachtung, dass bei virämischen Katzen große Mengen von FeLV-Proteinen im Blut auftreten, war die Grundlage für die Entwicklung eines Doppel-Antikörper-ELISAs, mit dem im Blut und Plasma von FeLV-virämischen Tieren das Innenkörperprotein p27 nachgewiesen werden kann [10].

Diese ELISA-Technik erlaubt heute die rasche und zuverlässige Erfassung von p27-Antigen im Blut virämischer Katzen und damit die Diagnose der Virämie.

Zum Nachweis von p27-Antigen stehen in den medizinischen Laboratorien ELISA-Verfahren zur Verfügung; in der tierärztlichen Praxis kann die Infektion innerhalb von wenigen Minuten rasch und zuverlässig mittels des ELISA-Snap-Tests oder der Immunchromatographie diagnostiziert werden.

Real-Time-PCR Während vieler Jahre wurden gelegentlich einzelne Testresultate beobachtet, die als fraglich positiv beurteilt wurden. Mit dem Aufkommen von PCR-Techniken und insbesondere der Real-Time-PCR-Methode wurde es möglich, die Pathogenese der FeLV-Infektion mit einem zusätzlichen und hoch empfindlichen Verfahren zu bestätigen [5] [7]. Es wurde klar, dass unter Feldbedingungen die meisten Katzen in der Lage sind, die FeLV-Virämie zu überwinden. Gleichzeitig blieben diese nun als immun zu bewertenden Tiere im Blut jedoch in der PCR positiv für FeLV-Provirus [5].

Die PCR eignet sich daher hervorragend, um zweifelhaft positive Schnelltestresultate zu bestätigen: Wenn ein fraglich positives p27-Resultat von einer Katze stammt, die gleichzeitig in der PCR positiv ausfällt, dann ist das p27-Resultat mit hoher Wahrscheinlichkeit korrekt positiv [9].

Kürzlich konnten wir nachweisen, dass eine FeLV-Infektion nicht zwingend zu einem positiven PCR oder einem positiven p27-Resultat führt: In seltenen Fällen äußert sich die Infektion nur im Anstieg der gegen das FeLV gerichteten Antikörper [1] [11].

Dann ist offenbar der Virusload derart gering, dass sich weder Virusantigen noch Provirus im Blut sicher nachweisen lassen. Dennoch können solche Tiere Träger der Infektion sein [1]. Ob und wie oft es bei solchen Tieren zur Virämie und damit zur Ausscheidung von Virus kommt, ist nicht bekannt.

Nachweis im Speichel Zwischen der FeLV-Virämie und der Ausscheidung von FeLV-RNA im Speichel besteht eine fast perfekte Korrelation. Deshalb ist es möglich, die Diagnose einer FeLV-Virämie anstatt aus einer Blutprobe durch die Untersuchung einer Speichelprobe mittels Real-Time-RT-PCR zu stellen [2].

Im Hinblick auf die relativ hohen Kosten der RT-PCR dürfte der Nachweis von FeLV-RNA im Speichel bei einzelnen Katzen allerdings nicht oft zur Anwendung kommen. Die Speicheluntersuchung dürfte aber dann von Bedeutung sein, wenn es darum geht, aggressive Katzen zu testen, bei denen die Blutentnahme ohne Narkose fast nicht möglich ist.

Zudem eignet sich die Untersuchung von Speichelproben bei der routinemäßigen Überprüfung der FeLV-Freiheit ganzer Bestände.

Wenn in einem Bestand von 30 Katzen eine einzige virämisch ist, lässt sich dies anhand einer einzelnen Untersuchung von gepoolten Speichelproben nachweisen. Unter diesen Bedingungen kommt der RT-PCR eine große Bedeutung zu, da die Kosten einer einzelnen Reaktion durch die Zahl der getesteten Tiere dividiert werden können [2].


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FeLV-Vakzinierung

FeLV-Impfstoffe erwiesen sich als hoch effizient zum Schutz von Katzen vor persistierender Antigenämie und Virämie und damit zum Schutz vor den typischen mit der FeLV-Virämie assoziierten tödlichen Erkrankungen.

Die Vakzinierung führt zur signifikanten Verlängerung der Lebenserwartung bei geimpften Katzen. Einige der neueren FeLV-Vakzinen führen auch unter experimentellen Bedingungen zu hohen Schutzraten von über 90 % (preventable fraction).

Allerdings konnte kürzlich gezeigt werden, dass vakzinierte Katzen nach experimenteller Infektion durch i. p. Injektion von FeLV zwar vor den Langzeitfolgen der Virämie und der Antigenämie geschützt sind, dass diese aber nicht vor dem Angehen einer FeLV-Infektion geschützt werden konnten.

Auch bei geimpften Katzen kommt es nach experimenteller Infektion zu einer minimalen Virusreplikation sowie zur Integration von Provirus-DNA in die DNA von verschiedenen Wirtszellen [6].

Die FeLV-Impfung wird als so genannte Non-core-Vakzine betrachtet. Dies bedeutet, dass die Notwendigkeit einer Vakzinierung bei jeder einzelnen Katze im Impfgespräch, das zwischen Tierarzt und Besitzer stattfinden soll, individuell und sorgfältig bestimmt werden muss.

Bei Katzen, die keinen Auslauf ins Freie haben und auch während der Ferienabwesenheit des Besitzers nie in einem Katzenheim untergebracht werden müssen, ist das Risiko einer Exposition gegenüber der FeLV-Infektion minimal. Solche Tiere benötigen keine Impfung.

Im Gegensatz zur Katze ohne Auslauf sollte jede Katze gegen FeLV-Infektion geimpft werden, wenn sie Auslauf hat oder durch Unterbringung in einem Katzenheim ein gewisses Risiko läuft, durch FeLV infiziert zu werden.

Wenn die Vorgeschichte einer zu impfenden Katze unklar ist, ist vor jeder Vakzinierung ein FeLV p27-Test durchzuführen.

Das ist deshalb wichtig, da mit dem Test eine vorbestehende Virämie bzw. Antigenämie erkannt werden kann. Sollte zum Zeitpunkt der Impfung eine Infektion mit Virämie oder Antigenämie vorbestehen, ist das Risiko sehr groß, dass ausgerechnet diese Katze später an einer für FeLV-Infektion typischen Erkrankung erkrankt und daher als Vakzine-Versager beurteilt wird.

Bislang gibt es bei der FeLV-Vakzinierung – im Gegensatz zur Vakzine gegen felines Calicivirus, felines Herpesvirus und felines Parvovirus – keine publizierten Angaben über die Dauer der Immunität nach einer Impfung. Im Hinblick auf die mit zunehmendem Alter der Katze abnehmende Empfänglichkeit gegenüber der FeLV-Infektion empfehlen aber die Mitglieder der ständigen Impfkommission (STIKO) des Bundesverbands der praktizierenden Tierärzte sowie die Mitglieder der Gruppe ABCD:

Katzen im Alter von mehr als 3–4 Jahren müssen lediglich alle 2–3 Jahre geimpft werden [9] .

Online zu finden unter

http://dx.doi.org/10.1055/s-0030-1248839


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