Aktuel Ernahrungsmed 2010; 35(4): 178-182
DOI: 10.1055/s-0030-1248412
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© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Besonderheiten der Ernährung in Sportarten mit Gewichtsklassen

Nutritional Characteristics in Weight-Class SportsH.  Braun1 , 2
  • 1Institut für Biochemie, Deutsches Forschungszentrum für Leistungssport, Deutsche Sporthochschule Köln
  • 2Olympiastützpunkt Rheinland
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Publication History

Publication Date:
21 April 2010 (eFirst)

Zusammenfassung

Die Ernährung stellt einen wichtigen Baustein für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit des Sportlers dar. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich Sportarten hinsichtlich ihrer Trainings- und Wettkampfanforderungen stark unterscheiden können, was sich auf die Ernährungsbedürfnisse auswirkt. Bei Gewichtsklassensportarten wie Judo, Ringen, Boxen oder Leichtgewichtsrudern dürfen Athleten an einem Wettkampf ein vorgegebenes Gewichtslimit nicht überschreiten. Infolgedessen spielt das Körpergewicht und die Körperzusammensetzung bei den Sportlern eine zentrale Rolle. Das Trainingsgewicht liegt im Regelfall über dem Wettkampfgewicht. Daher führen Athleten häufig kurzfristige Maßnahmen (eingeschränkte Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr) zur Gewichtsreduktion durch. Dies kann Gesundheit und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Athleten und Trainer sollten in Zusammenarbeit mit kompetenten Ernährungsberatern frühzeitig eine Optimierung des Körpergewichts anstreben, um eine chronisch geringe Energiezufuhr (niedrige Energieverfügbarkeit) mit entsprechend negativen Konsequenzen zu vermeiden. Orientierungswerte zur Nährstoffzufuhr lassen sich für Sportarten mit Gewichtsklassen nur eingeschränkt benennen. Da die Energiezufuhr bei vielen Athleten im unteren Bereich liegt, ist besondere Aufmerksamkeit hinsichtlich einer adäquaten Zufuhr an Makro- und Mikronährstoffen zu legen. Ob eine Supplementierung mit Mikronährstoffpräparaten notwendig ist, sollte in Abhängigkeit vom Ernährungsstatus entschieden werden. Dabei muss klar sein, dass Nahrungsergänzungsmittel (NEM) eine unzureichende Lebensmittelauswahl nicht kompensieren können. Zudem birgt für Sportler die Verwendung von NEM Gesundheits- und Dopingrisiken.

Abstract

For athletes, nutrition plays an important role in health and performance. It should be considered that sports may vary strongly with respect to work load between training and competition, which influences nutritional needs. Athletes in weight-class sports like judo, wrestling, boxing, lightweight rowing are not allowed to exceed a weight limit at the day of competition. As a consequence, body weight and body composition plays an important role for those athletes. In general, training weight is higher than competition weight. Therefore weight cutting strategies (restricted food and fluid intake) are used by athletes to reduce weight. This might impair health and performance. Athletes and coaches are advised to work with sports dietitians in order to optimize body weight early, and to reduce the risk of chronically low energy intake (low energy availability), which may have negative consequences. Dietary reference values for weight class sports are not readily available. Since energy intake is often very low, emphasis should be laid on an adequate intake of macro- and micronutrient. Based on the dietary situation it should be decided whether micronutrient supplementation is necessary. However, supplements cannot compensate poor food choices. Furthermore, supplementation is connected with health and doping risks.

Literatur

Hans Braun

Institut für Biochemie, Deutsches Forschungszentrum für Leistungssport, Deutsche Sporthochschule Köln

Am Sportpark Müngersdorf 6

50933 Köln

Email: h.braun@dshs-koeln.de