Krankenhaushygiene up2date 2010; 5(2): 93-105
DOI: 10.1055/s-0029-1244195
Nosokomiale Infektionen

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

CAPNETZ – Kompetenznetzwerk ambulant erworbene Pneumonie

Barbara  M.  Hauptmeier, Heike  von Baum
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Publication Date:
19 July 2010 (online)

Kernaussagen

  • Seit 2001 befasst sich das Kompetenznetz CAPNETZ mit der Erforschung der ambulant erworbenen Pneumonie. Seit diesem Zeitpunkt konnten 8000 ambulant und stationär behandelte Patienten eingeschlossen werden. Die klinischen und mikrobiologischen Daten wurden ausgewertet und viele Fragen bezüglich der Inzidenz, Aufnahmekriterien, Mortalität, Erregerspektrum, Resistenzsituation sowie Verlauf der Erkrankung konnten beantwortet werden.

  • So zeigte sich anhand der Daten, dass der überall leicht durchzuführende CRB-65 als Risikostratifizierung bei den Aufnahmekriterien genau so zuverlässig ist wie der mit einer Blutentnahme verbundene CURB.

  • Die Mortalität der Patienten mit CAP ist im ambulanten Bereich am geringsten (ca. 1 %) und steigt bei hospitalisierten Patienten auf 10 – 20 % an. Ein Alter über 65 Jahre, männliches Geschlecht und Komorbiditäten sind die wichtigsten Risikofaktoren für eine zunehmende Mortalität. Bei den Follow-ups nach 5 Monaten waren bereits 5,8 % der Patienten an einer anderen Ursache als einer Infektionskrankheit verstorben.

  • Bei den Erregern der Pneumonie stehen die Pneumokokken an der ersten Stelle, gefolgt von Mycoplasma pneumoniae und respiratorischen Viren. Enterobakterien wurden selten und multiresistente Keime wie MRSA und ESBL-positive Enterobakterien nur vereinzelt als Erreger in der CAP-Population nachgewiesen. Bei den atypischen Erregern wurden Mycoplasma pneumoniae am häufigsten nachgewiesen und zwar besonders bei jungen Patienten mit einem Durchschnittsalter von 40 Jahren. Legionellen wurden bei 4 % der Patienten (Durchschnittsalter 63 Jahre) nachgewiesen. Dabei zeigten die ambulant behandelten Patienten mit Legionellennachweis einen milden Krankheitsverlauf und keine Todesfälle. Die hospitalisierten Patienten wiesen einen zum Teil schwerwiegenden und komplexen klinischen Verlauf mit einer Letalität von 15 % auf.

  • Die antimikrobielle Therapie sollte nach der neu überarbeiteten S3-Leitlinie, nach dem Schweregrad der CAP und nach dem Risiko von Entrerobacteriaceae inkl. ESBL-Bildnern/Pseudomonas erfolgen.

Literatur

Dr. med. Barbara Hauptmeier

Berufgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil
Medizinische Klinik III, Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin

Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum

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