AHZ 2010; 255(1): 20-22
DOI: 10.1055/s-0029-1242556
Originalia
Spektrum
© Karl F. Haug Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG

Sapere aude – aude sapere

Michael Hartmann
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Publikationsverlauf

Publikationsdatum:
04. Februar 2010 (online)

Zusammenfassung

Der aus den Briefen des Horaz stammende Wahlspruch der Aufklärung „sapere aude” wurde von Hahnemann 1819 in der 2. Auflage des Organon zu „aude sapere” abgewandelt. In der Wendung liegt eine Kritik an der Ablehnung des Geistartigen durch Kant. In ganz anderer Form entwickelte im selben Jahr der Philosoph Arthur Schopenhauer in seinem Hauptwerk die Kritik an Kant, indem er den philosophischen Materialismus als Zirkelschluss demaskierte. Nach dem Werk Schopenhauers ist es logisch unmöglich, die Homöopathie aufgrund ihrer nicht materiellen Wirkungsweise abzulehnen.

Summary

The words of Horaz letters „sapere aude”, motto of the age of illumination was changed into „aude sapere” by Hahnemann in his second edition of the Organon in 1819. The inversion can be regarded as a criticism of the repulsion of the spiritual by the philosopher Immanuel Kant. In a very different way Arthur Schopenhauer criticised Kant by unmasking the philosophical materialism as a circular conclusion. After Schopenhauer's work it is logically impossible to deny homeopathy due to its non-material effects.

Anmerkungen

01 Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es (Novalis).

02 Kant-Laplace-Theorie der Planetenentstehung – Nebularhypothese.

03 Im Denken Schopenhauers findet sich auch die Nähe zur Spiritualität Indiens. Er wurde vom Stoizismus und von den wiederentdeckten Lehren Altindiens inspiriert. Hier erkennen wir die Verwandtschaft des Denkens, die die günstige Aufnahme unserer Heilmethode in diesem Land erklärt.

Literatur

  • 01 Gawlik W. Sapere aude, incipe!. In: RG Appell, Hrsg. Homöopathie und Philosophie & Philosophie der Homöopathie. Bluethenstaub Verlag; Eisenach; 1998: 114-119
  • 02 Kant I. Träume eines Geistersehers. Stuttgart: Reclam; 1976: 75
  • 03 Koestler A. Die Armut der Psychologie. Der Mensch als Opfer des Versuchs, irrationalem verhalten mit rationalen Methoden beizukommen. Bern, München: Scherz; 1980
  • 04 von Lucadou W. Psyche und Chaos. Theorien der Parapsychologie. Frankfurt/M.: Insel; 1995
  • 05 Safranski R. Schopenhauer oder die wilden Jahre der Philosophie. Frankfurt/M.: Fischer; 2001: 315-316
  • 06 Schiller F. Der Geisterseher. Aus: Sämtliche Werke. Bd. 5. München: Hanser; 1962
  • 07 Schmidt J. Die philosophischen Vorstellungen Samuel Hahnemanns bei der Begründung der Homöopathie. Stuttgart; Sonntag 1990: 378
  • 08 Schopenhauer A. Die Welt als Wille und Vorstellung. Zürich: Diogenes; 1976
  • 09 Schulte G. Kant. Aus: P Sloterdijk, Hrsg. Philosophie Jetzt!. München; dtv; 1998

Dr. med. Michael Hartmann

Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie
und -psychotherapie, Homöopathie

Sauerbruchstrasse 43

68723 Schwetzingen

eMail: dr.m.hartmann@arcor.de