Anästhesiol Intensivmed Notfallmed Schmerzther 2009; 44(9): 578-586
DOI: 10.1055/s-0029-1241161
Fachwissen
Intensivmedizin
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Hyperbare Oxygenation – Stellenwert in der Intensivtherapie – Teil 1

Hyperbaric Oxygenation – Utility in Intensive Therapy – Part 1Lorenz Lampl, Günter Frey, Dietmar Fischer, Silke Fischer
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Publication Date:
11 September 2009 (online)

Zusammenfassung

Hyperbare Oxygenation (HBO) ist eine medizinische Behandlungsform, bei der der Patient in einer Überdruckkammer Sauerstoff unter einem höheren Partialdruck atmet als dem atmosphärischen Luftdruck auf Meereshöhe. Die Indikation zur HBO ist gegeben bei Auftreten von Gasblasen in Körpergeweben oder Blutbahn (Dekompressionskrankheit, Luftembolie), oder wenn eine hohe Sauerstoffanreicherung den entscheidenden therapeutischen Schritt darstellt (z.B. CO–Intoxikation, spezielle Anaerobier–Infektionen). HBO ist dabei kein Ersatz für konventionelle operative bzw. intensivtherapeutische Maßnahmen; als komplementäres Adjuvans aber stellt sie häufig den zentralen Baustein im gesamten therapeutischen Gebäude dar.

Abstract

Hyperbaric Oxygenation (HBO) is a medical treatment, in which a patient breathes 100 % oxygen inside a treatment chamber at a pressure higher than at sea level. The indication for HBO has to be considered whenever gas bubbles present in tissue or blood circulation (decompression sickness, gas embolism) or when a high oxygen delivery is of crucial importance (CO–intoxication, selected anaerobic soft tissue infections). HBO must never be considered as a substitute for conventional surgical or intensive care therapy, but as an adjuvant of (potentially) crucial importance.

Kernaussagen

  • Hyperbare Oxygenation (HBO) ist eine medizinische Behandlungsform, bei der der Patient in einer Überdruckkammer Sauerstoff unter einem höheren Partialdruck atmet als dem Luftdruck auf Meeres–höhe, um damit sehr viel höhere Gewebspartialdrücke für Sauerstoff zu erreichen.

  • Bei den Indikationen zur HBO handelt es sich um Krankheitsbilder, die entweder mit dem Auftreten von Gasblasen in Körpergeweben oder der Blutbahn einhergehen (Dekompressionskrankheit, Luftembolie), oder um Krankheitsbilder, für die eine hohe Sauerstoffanreicherung den entscheidenden (z. B. CO–Intoxikation) oder einen zentralen (spezielle Anaerobier–Infektionen) therapeutischen Schritt darstellt.

  • Der Nutzen einer jeden HBO–Behandlung hängt neben der Qualität ihrer Durchführung entscheidend von der Seriosität der Indikationsstellung ab.

  • Intensivmedizinisch relevante Krankheitsbilder für die HBO–Therapie sind die Dekompressionserkrankung sowie die Gasembolie, die schwere CO–Intoxikation, die clostridiale Myonekrose („Gasbrand”) sowie vermutlich einige spezielle nekrotisierende Weichteilinfektionen sowie unter gezielten Einschlusskriterien der intrakranielle Abszess.

  • Gerade beim vital bedrohten Patienten muss die im Einzelfall erforderliche Intensivtherapie während der Druckkammerbehandlungen lückenlos aufrecht erhalten werden. Dies erfordert oft großen logistischen, materiellen und personellen Aufwand.

  • HBO ist grundsätzlich kein Ersatz für etablierte operative und/oder intensivtherapeutische Maßnahmen (Ausnahme Tauchunfall und AGE); ihr hoher therapeutischer Nutzen resultiert aus der komplementären Ergänzung derselben.

  • Bei der CO–Intoxikation sowie der iatrogenen Gasembolie handelt es sich um Krankheitsbilder, die einerseits häufig verkannt werden, andererseits aber entscheidend von einer frühzeitig durchgeführten HBO profitieren können.

Literatur

Prof. Dr. med. Lorenz A. Lampl
Dr. med. Günter Frey
Dr. med. Dietmar Fischer
Dr. med. Silke Fischer

Email: LorenzLampl@bundeswehr.org

Email: HBO.Frey@t-online.de

Email: mail@decodoc.de

Email: mail@dr-silke-fischer.de