Akt Neurol 2009; 36 - P729
DOI: 10.1055/s-0029-1238822

Systemische Thrombolyse bei bakterieller Endokarditis – ein Fallbericht

H Cangür 1, C Mohr 1, G Seidel 1
  • 1Lübeck

Hintergrund: Eine bakterielle Endokarditis geht mit den klinischen Symptomen Fieber, Herzgeräusche, Abgeschlagenheit und laborchemisch erhöhten Entzündungszeichen einher. Gefürchtete Komplikationen sind Embolien in viszerale Organe, Extremitäten aber auch in das Gehirn. In der Akutbehandlung des Hirninfarktes ist die systemische Thrombolyse mit rt-rPA etabliert, stellt aber bei der bakteriellen Endokarditis aufgrund erhöhter Blutungsgefahr eine Kontraindikation dar.

Methoden: Wir berichten kasuistisch über einen Patienten mit akuten Hirninfarkten in mehreren Versorgungsgebieten, der auf unserer Stroke Unit im 3 Stunden Zeitfenster systemisch mit rt-PA behandelt wurde und bei dem im Verlauf eine bakterielle Endokarditis als Ursache gefunden wurde.

Ergebnisse: Der 72-jährige Patient erlitt ein inkomplettes Media-Syndrom links (NIHSS 12). Die initiale CCT zeigte keine Infarktfrühzeichen und auch keine Hinweise auf ältere Ischämien. Eine Blutung wurde ausgeschlossen. Trotz relativer Kontraindikation mit Thrombopenie (96/nl) wurde innerhalb des 3 Stunden Zeitfensters eine systemische Thrombolyse durchgeführt. Eine Stunde nach der Lyse traten erste klinische Besserungen ein (NIHSS 5), Nach 4 Stunden waren die neurologischen Ausfälle nur noch gering (NIHSS 2). Die transösophageale Echokardiografie zeigte eine Aortenklappenendokarditis. In Blutkulturen konnte Enterococcus faecalis nachgewiesen werden. Die CCT/MRT Verlaufskontrollen zeigten einen territorialen Infarkt re. okzipital und temporal sowie kleinere Hirninfarkte im MCA- und PCA-Stromgebiet links. Daneben stellten sich im Verlauf Blutungen re. temporal und re. frontal mit subarachnoidaler Komponente dar.

Diskussion: Der klinische Verlauf unseres Patienten legt die gute Wirksamkeit der systemischen rt-PA Thrombolyse auch bei septischen Embolien im Rahmen einer Endokarditis nahe. Die aufgetretenen intrakraniellen Blutungen entsprechen dem erhöhten Blutungsrisiko, waren aber in unserem Fall asymptomatisch.