Akt Neurol 2009; 36 - P516
DOI: 10.1055/s-0029-1238610

MEG-Korrelate epileptischer γ-Aktivität im invasiven EEG

S Rampp 1, M Kaltenhäuser 1, M Heers 1, D Weigel 1, A Dörfler 1, H Stefan 1
  • 1Erlangen

Fragestellung: Iktuale Rhythmen und interiktuale Spikes sind charakteristische Merkmale epileptischer Netzwerke. Quellenanalysen dieser Aktivitäten können wichtige Beiträge für epilepsiechirurgische Eingriffe liefern. Ca. 20–30% der Patienten mit fokalen Epilepsien weisen interiktual jedoch keine oder nur wenige epilepsietypische Muster auf. Als Alternativen kommen epileptische Oszillationen mit Frequenzen im Gammaband und darüber in Frage, für die eine enge Korrelation mit dem epileptischen Netzwerk nachgewiesen ist. Die Untersuchung solcher Oszillationen erfolgte bisher fast ausschließlich durch invasive EEG-Ableitungen mit subduralen oder Tiefenelektroden (iEEG). Die Zahl der Untersuchungen, die nicht-invasive Methoden, wie die Magnetencephalografie (MEG) nutzen, ist gering. Studien, die epileptische Oszillationen in iEEG und MEG vergleichen, existieren bisher nicht. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie wurden daher epileptische γ-Oszillationen in simultanen MEG/iEEG-Ableitungen bezüglich der Lokalisation der Anfallsurspungszone untersucht.

Methoden: Bei drei Patienten mit pharmakoresistenten, fokalen Epilepsien wurden im Rahmen der prächirurgischen Epilepsiediagnostik simultan MEG und iEEG mit subduralen Elektroden durchgeführt. Oszillationen zwischen 60 und 120Hz wurden automatisch im invasiven EEG detektiert. Simultane MEG-Epochen wurden gemittelt. Die Ergebnisse wurden mittels Morlet-Skalogramm auf Oszillationen im gleichen Frequenzband untersucht, sowie mittels Minimum-Norm-Quellenanalyse lokalisiert. Als Validierungsgrundlage diente das Resektionsvolumen bei postoperativer Anfallsfreiheit, sowie die Lokalisation der Anfallsursprungszone aus dem iktualen iEEG.

Ergebnisse: Bei allen drei Patienten konnten Oszillationen im MEG nachgewiesen werden, deren Frequenzen in beiden Modalitäten zwischen ca. 60 und 85Hz lagen und sowohl Spikes überlagert waren, als auch unabhängig von diesen auftraten. Die Quellenanalysen lieferten mit dem Resektionsvolumen bzw. dem Anfallsursprung übereinstimmende Lokalisationen.

Schlussfolgerungen: Im MEG können Korrelate invasiv gemessener epileptischer Gammaband-Oszillationen nachgewiesen werden, die sowohl Spikes überlagert sind, als auch unabhängig auftreten. Mittels Quellenanalyse dieser Aktivität können epileptische Netzwerke unabhängig von Spikes und Anfallskorrelaten lokalisiert werden. Lokalisationsgenauigkeit, Sensitivität und Spezifität sollten in größeren Studien untersucht werden.